CDU droht Absturz unter 20 Prozent: Umfrage sieht Union bei 20,5%
CDU vor Absturz unter 20 Prozent? Umfrage alarmiert

Die Umfragewerte der CDU sinken weiter und drohen unter die psychologisch wichtige Marke von 20 Prozent zu fallen. In der jüngsten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts INSA verliert die Union ein weiteres Prozent und kommt nur noch auf 20,5 Prozent. Die AfD hingegen legt um 0,5 Prozentpunkte zu und erreicht 29 Prozent. Sollte der Trend anhalten, könnte die CDU unter 20 Prozent rutschen und eine dramatische Debatte auslösen, insbesondere wenn es der AfD gelingt, bundesweit die 30-Prozent-Marke zu durchbrechen.

Abstand zur AfD wächst – alte Erzählung hält nicht mehr

Lange Zeit argumentierte man im Konrad-Adenauer-Haus, der Abstand zur AfD sei knapp und durch statistische Ungenauigkeiten marginal. Diese Argumentation ist nun nicht mehr haltbar. 8,5 Prozentpunkte sind ein gewaltiger Abstand, in den die FDP gleich zweimal hineinpassen würde, wie Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion, in seinem Newsletter „Hauptstadt Inside“ anmerkt.

Vor diesem Hintergrund sind Interviewpassagen bemerkenswert, die in der Partei am liebsten ignoriert würden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Mitglied des CDU-Vorstands, lehnt die vom Kanzler hochgezogene Brandmauer ab. „Wer noch über Brandmauern rede, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt“, sagte der CDU-Politiker dem Handelsblatt. Kretschmer: „Wir müssen mit jedem reden, der reden will.“

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Kretschmer und andere Stimmen gegen die Brandmauer

Der als kantig bekannte Kretschmer will keine Zusammenarbeit mit der AfD, hält es aber für falsch, Gespräche apodiktisch auszuschließen. Kretschmer regiert in Sachsen seit 2024 mit einer Minderheitsregierung unter Beteiligung der SPD und kennt die Lage an der Front zur AfD genau. Das Thema ist so heikel, dass kein CDU-Grande sich heute dazu äußern wollte. Doch durch Schweigen werden auch in der Politik Probleme nicht kleiner.

Neben Kretschmer haben sich auch Altbundespräsident Joachim Gauck und Versandhauskönig Michael Otto gegen die Brandmauer-Politik ausgesprochen. Gauck, parteilos und ehemaliger Pfarrer, sagte im ZDF: „Für mich ist das Bild der befestigten Grenze das Richtige. Dann kannst du Grenzübergänge regeln.“ Michael Otto, einer der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands und ebenfalls AfD-Gegner, bezeichnete den Begriff „Brandmauer“ im Welt-Interview als „ungeschickt“ und plädierte dafür, politische Entscheidungen – besonders auf regionaler Ebene – nicht grundsätzlich zu blockieren.

Thorsten Frei wird neuer Fraktionschef

Im politischen Wettstreit mit der AfD kommt es nun noch mehr auf Thorsten Frei an, der – wie im Newsletter vorhergesagt – der neue Fraktionsvorsitzende von CDU und CSU wird. Die Parteichefs Friedrich Merz und Markus Söder haben ihn in einer Sondersitzung des Fraktionsvorstands vorgeschlagen, sodass die Wahl in einer Sondersitzung der Fraktion am kommenden Mittwoch nur noch eine Formalie ist.

Damit braucht der Kanzler einen neuen Kanzleramtschef. Im Gespräch sind Professor Günter Krings, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Merz-Vertrauter aus Nordrhein-Westfalen, sowie Hendrik Hoppenstedt aus Niedersachsen, parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Beide erfüllen die vier wichtigsten Kriterien: Loyalität zum Kanzler, Ansehen in Partei und Fraktion, Organisationstalent und Belastbarkeit sowie Uneitelkeit.

Kanzleramtschef-Nachfolge: Krings oder Hoppenstedt?

Krings wollte der Kanzler bereits als Präsidenten an die parteinahe Konrad-Adenauer-Stiftung vermitteln, doch diese schlecht geplante Operation ging schief. Die ehemalige CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erkämpfte sich zum Missfallen des amtierenden Parteichefs den Posten. Der einflussreiche Kanzleramtschef wäre für Krings die mächtigere Position, aber auch die deutlich anstrengendere. Hoppenstedts Vorteil ist seine Erfahrung im Machtbetrieb des Kanzleramtes und Koordinationsroutine als alternierender Vorsitzender des Vermittlungsrates von Bundestag und Bundesrat. Zudem teilt er als Reserveoffizier die heimliche Leidenschaft des Kanzlers für das Militärische.

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Sachsen-Anhalt: Sven Schulze im Nahkampf mit der AfD

Im Nahkampf mit der starken AfD befindet sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU. Er muss am 6. September bei der Landtagswahl die Ehre der Partei verteidigen. Umfragen sehen die AfD in der Spitze bei 41 Prozent, die Regierungsbildung in Magdeburg wird in jedem Fall schwierig. Schulze kam spät ins Amt, weil sein Vorgänger Haseloff nicht loslassen wollte, was strategisch unklug war. So musste Schulze einen Blitzstart hinlegen und arbeitet hart daran, bei den Wählerinnen und Wählern noch bekannter zu werden. Der Ministerpräsident besuchte die FUNKE-Redaktion und erklärte, wie er den Aufschwung der AfD beenden will.

Tobias Korenke und der AfD-Kranz

Mann der Woche war für Jörg Quoos sein Ex-Kollege Tobias Korenke, dessen Großvater Rüdiger Schleicher, die Brüder seiner Großmutter, Dietrich und Klaus Bonhoeffer, und ihr Schwager Hans von Dohnanyi von den Nazis nach dem 20. Juli 1944 erhängt wurden. Bei der Feierstunde im Bendlerblock entfernte Korenke den Kranz der AfD, die in Teilen als rechtsextremistisch eingestuft wird. Die spontane, emotionale Aktion vom Montag brachte es in fast alle Nachrichtensendungen. Quoos traf Korenke noch einmal am Ort des Gedenkens zu einem ausgeruhten Gespräch.