Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich im ZDF-Sommerinterview deutlich von seinem früheren Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) distanziert. Nach Spahns Rücktritt wegen einer Leihmutterschafts-Affäre äußerte Merz die Vermutung, die öffentliche Empörung sei nicht nur durch die Sache selbst, sondern auch durch Spahns Person und Kommunikation verursacht worden. Gleichzeitig verteidigte Merz sein eigenes Verhalten in der Affäre und stellte eine Kabinettsumbildung in Aussicht.
Merz: Empörung hatte auch mit Spahns Person zu tun
Im Interview mit Moderatorin Diana Zimmermann, das am Sonntag um 19.10 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird, erklärte Merz, er habe bei Spahns Enthüllung über eine Leihmutterschaft in den USA zunächst an das Wohl des Kindes gedacht. Die Welle der Empörung habe er „nicht in diesem Umfang“ erwartet. Der Kanzler fügte hinzu: „Aber es hatte wahrscheinlich auch was mit seiner Person zu tun und auch mit der Kommunikation.“ Merz gab damit indirekt Spahn eine Mitschuld an der Eskalation.
Merz verteidigt eigenen Umgang mit der Affäre
Auf die Frage, ob er sich von Spahn persönlich hintergangen fühle, antwortete Merz ausweichend: „Das will ich jetzt hier öffentlich nicht bewerten. Der Vorgang als solcher ist abgeschlossen, er ist zurückgetreten. Wir akzeptieren und respektieren das.“ Gleichzeitig dankte Merz Spahn für dessen Arbeit, insbesondere bei den Reformen der letzten Wochen. Merz betonte, er sei Spahns Wunsch gefolgt, die Kommunikation selbst zu übernehmen.
Merz deutet Kabinettsumbildung an
Nach dem Rücktritt Spahns zeigte sich Merz offen für eine Kabinettsumbildung. „Es könnte eine Gelegenheit sein“, sagte der Kanzler. Als möglicher Nachfolger für den Fraktionsvorsitz gilt Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU). Sollte Frei diesen Posten übernehmen, müsste Merz einen neuen Kanzleramtschef ernennen. Im Interview bestätigte Merz die Personalie nicht und gab an, von dieser Möglichkeit erstmals zu hören. Die Entscheidung über die Nachfolge solle in den kommenden Tagen in den Gremien der Partei besprochen werden. Merz strebt eine Entscheidung bis Ende Juli an.
Hintergrund: Spahn-Rücktritt wegen Leihmutterschaft
Jens Spahn war am vergangenen Freitag von seinem Amt als Unions-Fraktionschef zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass er und sein Ehemann mithilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind bekommen hatten. Die Affäre hatte eine breite Debatte über Leihmutterschaft und die Kommunikation von Spahn ausgelöst. Merz hatte Spahn zunächst öffentlich unterstützt, sich aber nach dem Rücktritt kritischer geäußert.



