Nach CSD-Anschlag: Wegner fordert Islamunterricht an Berliner Schulen
Nach CSD-Anschlag: Wegner fordert Islamunterricht

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin wächst der Druck auf Politik und Islamverbände. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) spricht sich für Islamunterricht an Berliner Schulen aus – als Schutzwall gegen Radikalisierung. Sein Argument: Wer Religion in staatlichen Schulen lehrt, behält die Kontrolle und könnte Jugendliche vor radikalen Einflüssen bewahren.

Wegner: Staatliche Kontrolle als Schutz

Wegner betont die Notwendigkeit, Jugendliche vor Radikalisierung zu schützen. „Es gibt immer wieder Jugendliche, die durch radikal religiöse Kontakte in sogenannten Hinterhofmoscheen radikalisiert werden“, kritisiert der Regierende Bürgermeister. Seiner Ansicht nach könne der Islamunterricht an Schulen, der staatlicher Kontrolle unterliege, einen großen Beitrag leisten. „Dazu gehört, dass auch der Islamunterricht an Schulen stattfindet, der dadurch staatlicher Kontrolle unterliegen würde“, so Wegner. Parallel fordert er härteres Durchgreifen bei Problemmoscheen: „Gleichzeitig müssen wir den Druck und die Kontrolle auf radikale Moscheen erhöhen, mit dem Ziel, sie zu verbieten.“

Özdemir kritisiert Islamverbände scharf

Indes kommt von Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (60, Grüne) scharfe Kritik an den Islamverbänden. Der Grünen-Politiker bezieht sich auf eine Stellungnahme der muslimischen Dachverbände zum Anschlag und lässt kein gutes Haar daran. „Es muss schon klar sein, dass es sich um einen schwulenfeindlichen, queerfeindlichen Anschlag handelt“, sagte Özdemir in Stuttgart. „Wenn man das Wort vermeidet, hat man ein Problem offensichtlich.“ Auch dass die Verbände nicht erwähnten, dass sich der Täter auf seine Religion bezogen habe, kritisierte Özdemir: „Das Thema des Islamismus muss einfach erwähnt werden.“ Sein Urteil: „So kann man sich nicht äußern dazu.“

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Wissenschaftler warnen vor zunehmender Radikalisierung

Islamwissenschaftler Mahmoud Jaraba von der Universität Erlangen fordert zudem mehr Einbindung muslimischer Gemeinden in Prävention und Deradikalisierung. „Daran gibt es auch großes Interesse, doch sie haben zu wenige Ressourcen und oft auch kein Vertrauen vonseiten der Behörden“, sagte Jaraba. Derzeit passiere „extrem wenig“, teilweise würden Mittel sogar gekürzt. Sein Fazit: „Dabei ist sich die Wissenschaft einig: Es wird in Zukunft noch zu mehr Radikalisierungen von jungen Menschen kommen.“

Der Islamexperte Bülent Uçar glaubt nach dem CSD-Anschlag in Berlin nicht an ein Umdenken in der muslimischen Community. Die Ablehnung von Homosexualität sei dort weitverbreitet, sagt der Islamwissenschaftler der Universität Osnabrück. Sie entspreche der Mehrheitsposition in allen größeren islamischen Strömungen. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass mehr Präventionsarbeit nötig ist, um weiteren Radikalisierungen vorzubeugen.

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