Julian Nagelsmann ist nicht mehr Bundestrainer. Das verlorene Zwischenrundenspiel bei der WM in Amerika gegen Paraguay war das 37. und letzte Länderspiel für ihn als DFB-Chefcoach. Was im September 2023 als ein Projekt für die Heim-EM begann, endete knapp drei Jahre später in einer großen Enttäuschung. Der 38-Jährige erklärte seinen Rücktritt – nach einem Krisengespräch mit der DFB-Spitze, die ihm diesen Schritt Medienberichten zufolge nahegelegt haben soll.
Der Start: Hoffnungsträger für die Heim-EM
Am 22. September 2023 wurde Nagelsmann als Wunschlösung beim DFB vorgestellt, nachdem Hansi Flick entlassen worden war. Der ehemalige Bayern-Coach sollte die Heim-EM 2024 retten. Sein Vertrag lief zunächst nur bis zum folgenden Sommer. Mit einem 3:1 gegen die USA und einem 2:2 gegen Mexiko startete er im Oktober 2023 bei einer Amerika-Tour positiv in seine Amtszeit.
Rückschläge und personelle Veränderungen
Im November 2023 folgte der schnelle Rückschlag: Ein 2:3 gegen die Türkei und ein 0:2 in Österreich zwangen Nagelsmann zu personellen Veränderungen. Im März 2024 sortierte er Mats Hummels und Leon Goretzka aus, holte aber Toni Kroos zurück. Das Comeback wirkte: Ein 2:0 in Frankreich und ein 2:1 gegen die Niederlande machten Mut für ein neues Sommermärchen.
Heim-EM 2024: Euphorie und Enttäuschung
Die Heim-EM begeisterte die Fans, doch im Viertelfinale gegen Spanien war der Titeltraum jäh vorbei. Nagelsmann sorgte mit einer Ansprache an die Nation für mehr Zusammenhalt und einer forschen Titelansage für die WM 2026 für Aufsehen. Im Herbst 2024 zog die neu formierte DFB-Elf ohne Neuer, Kroos, Gündogan und Müller erstmals in die K.o.-Spiele der Nations League ein.
Nations League und WM-Qualifikation
Im März 2025 wurde Italien im Viertelfinale ausgeschaltet. Das 2:1 in San Siro und ein 3:3 in Dortmund sorgten für Euphorie. Bei der Heim-Endrunde der Nations League im Juni 2025 sprang jedoch nur der vierte und letzte Platz heraus. Portugal (1:2) und Frankreich (0:2) zeigten die Grenzen auf. Ein Tiefpunkt folgte im September 2025: Die DFB-Elf ließ sich in der Slowakei mit 0:2 vorführen, die direkte WM-Qualifikation war in Gefahr. Mit fünf Siegen wurde das Amerika-Ticket als Gruppensieger gelöst, überzeugend war nur das 6:0 zum Abschluss gegen die Slowakei.
WM 2026: Das Ende in Amerika
Im Frühjahr 2026 wurde die Erfolgsserie auf neun Siege ausgebaut, doch die Stimmung blieb von Zweifeln behaftet. Die Titelansage war längst einkassiert, großes Thema war die Rückkehr von Rekordtorwart Manuel Neuer und die Degradierung von Oliver Baumann. Der WM-Start gelang mit einem 7:1 gegen Curaçao, ein 2:1 gegen die Elfenbeinküste rettete Deniz Undav. Als Gruppensieger folgte ein ernüchterndes 1:2 gegen Ecuador. Am 29. und 30. Juni 2026 kassierte Nagelsmann den finalen Nackenschlag: Im Elfmeterschießen gegen Paraguay, wenige hundert Meter vom Ort seines ersten Trainings als Bundestrainer entfernt, war Schluss.
Rücktritt nach 1.015 Tagen
Nach dem Aus beteuerte Nagelsmann zunächst, dass er Bundestrainer bleiben wolle. Doch am 3. Juli 2026, nach 1.015 Tagen, erklärte er seinen Rücktritt. Ein Krisengespräch mit der DFB-Spitze war vorausgegangen. Die Ära Nagelsmann endete mit einer großen Enttäuschung.



