Pilot Schumann in der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“: Die Perspektive von Opfern wurde lange nicht mitgedacht, kritisiert die Historikerin Petra Terhoeven. In einem Interview mit dem SPIEGEL fordert sie ein Mahnmal für die Opfer der Roten Armee Fraktion (RAF) – und erklärt, warum die deutsche Politik hier lange versagt hat.
Überfälliges Gedenken
Politiker und Angehörige der Ermordeten fordern seit Jahren ein zentrales Mahnmal für die RAF-Opfer. Terhoeven, Historikerin an der Universität Göttingen, unterstützt diese Forderung: „Ein Mahnmal wäre wünschenswert, aber es kommt viel zu spät.“ Sie kritisiert, dass die deutsche Politik lange Zeit mitleidlos mit den Opfern umgegangen sei. „Die Perspektive der Opfer wurde nicht mitgedacht“, so Terhoeven.
Die Rolle der Medien und der Politik
Die Historikerin verweist auf die mediale und politische Aufarbeitung des RAF-Terrors. Lange habe der Fokus auf den Tätern gelegen, während die Opfer in den Hintergrund traten. „Erst in den letzten Jahren hat sich das Bewusstsein verändert“, sagt Terhoeven. Ein Mahnmal könne dazu beitragen, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und ihre Geschichten sichtbar zu machen.
Konkrete Forderungen
Bereits 2023 hatte eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen einen Antrag für ein Mahnmal eingebracht. Terhoeven begrüßt diesen Schritt, mahnt aber zugleich, dass die Umsetzung nicht weiter verzögert werden dürfe. „Die Angehörigen warten seit Jahrzehnten auf eine angemessene Würdigung“, betont sie. Das Mahnmal solle nicht nur an die Toten erinnern, sondern auch einen Raum für Reflexion über die Gewaltgeschichte der Bundesrepublik bieten.
Symbolische Bedeutung
Ein zentrales Mahnmal in Berlin, so Terhoeven, hätte eine starke symbolische Wirkung. Es würde zeigen, dass die Gesellschaft die Opfer des Terrorismus nicht vergisst. „Deutschland hat eine Verantwortung, diese Erinnerung zu bewahren“, sagt die Historikerin. Das Mahnmal könne auch ein Zeichen gegen die Verharmlosung von Gewalt setzen.



