Kommentar zu Spahn-Rücktritt: Ein Pyrrhus-Sieg der Moral?
Spahn-Rücktritt: Ein Pyrrhus-Sieg der Moral?

Der Rücktritt von Jens Spahn als Fraktionschef der CDU wird weithin als Triumph der Moral gefeiert, doch der Kommentator Nikolaus Blome warnt in einer Kolumne für den SPIEGEL vor einem Pyrrhus-Sieg. Während die Aufarbeitung des Falls Spahn als Hochamt konservativer Werte beklatscht werde, blieben viele Fragen offen.

Der Fall Spahn: Doppelmoral und ihre Folgen

Spahn hatte sich nach Ansicht seiner Kritiker krasse Doppelmoral zuschulden kommen lassen, als er das deutsche Verbot kommerzieller Leihmutterschaft in den USA umging – mit seinem Geld. Der Rücktritt sei unausweichlich gewesen, aber Blome bezweifelt, ob die schnelle Lösung die richtige war. Der SPIEGEL selbst hatte den 18. Juli als „guten Tag für die deutsche Demokratie“ bezeichnet.

Blome kritisiert den triumphierenden Ton der Kritiker, darunter der Bischof von Passau, Stefan Oster, der Spahns Verhalten als Skandal bezeichnete. Dessen Bistum habe jedoch bis 2024/25 gebraucht, um eine Studie zur Aufarbeitung eigener Missbrauchsskandale zu veröffentlichen – für Blome ein Fall von Doppelmoral.

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Strategische Kosten des Rücktritts

Der Kommentator fragt nach den strategischen Kosten: Spahn war ein stabilisierendes Scharnier der Koalition mit der SPD, das nun wegfällt. Zudem band er als Schwergewicht vom rechten CDU-Flügel Anhänger, die mit der AfD liebäugeln. Der Rücktritt könnte die Wahlchancen der CDU in Ostdeutschland nicht verbessern – in Mecklenburg-Vorpommern steht die Partei bei neun Prozent.

Während die CDU auf klassische Glaubwürdigkeit setze, zeige die AfD, dass sie ohne diese auskomme. Skandale und Doppelmoral schadeten ihr nicht. Blome zieht einen Vergleich zu den USA, wo Demokraten auf Trumps antidemokratische Taktiken mit ähnlichen Mitteln reagierten.

Ausblick: Die Doppelmoral könnte siegen

Am Ende, so Blome, habe bei den Konservativen die Moral gesiegt, aber bei den Landtagswahlen könnte die Doppelmoral siegen. Spahn sei auf Wiedervorlage. Der Fall zeige, dass der Wert traditioneller Glaubwürdigkeit im Überlebenskampf gegen die AfD fraglich geworden sei.

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