Spahn tritt als Fraktionschef zurück: Baby und Machtkampf in der Union
Spahn-Rücktritt: Machtkampf in der Union

Berlin – Der kleine Georg bekommt von der ganzen Aufregung hoffentlich nichts mit. Vor einigen Tagen kam er in den USA zur Welt, geboren von einer Leihmutter. Baby Georg hat zwei Väter: Jens Spahn, bis gestern einer der mächtigsten CDU-Politiker des Landes, und dessen Ehemann Daniel Funke, per Samenspende der leibliche Vater von Georg.

Spahn tritt als Fraktionschef zurück

Samstag, 13.34 Uhr: BILD meldet, dass Spahn als Fraktionschef zurücktritt. Als Vorsitzender aller CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten war er der mächtigste Mann nach dem Kanzler. Spahn schrieb den Abgeordneten per Mail: „Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt.“

Machtkampf in der Union

Zuvor hatte es einen knallharten Machtkampf in der Union gegeben. Am Mittwoch, 15.58 Uhr, berichtete BILD exklusiv: „Spahn und sein Mann sind Papas geworden.“ Nur acht Minuten vorher hatte das Paar seine engsten Freunde per WhatsApp informiert. Die CDU, die Leihmutterschaft strikt ablehnt, ahnte nichts. Nur den Kanzler hatte Spahn vorher eingeweiht – am 10. Juli, dem letzten Tag vor der Sommerpause. Spahn sagte im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer, er habe dem Kanzler gesagt, „dass ich sozusagen als Vater aus den USA wiederkommen werde“.

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Der Kanzler wartete ab. Fünf Tage später machte das Ehepaar die Baby-Nachricht offiziell. Merz erklärte knapp, er habe Spahn „dazu gratuliert“. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) jubelte auf Instagram „Alles Gute für Euch.“ Sonst war es verdächtig still in der Union. Der übliche Glückwunsch-Regen blieb aus. In der Partei waren viele entsetzt. Eine Leihmutter bezahlen und so für viel Geld Vater werden? In Deutschland ist das verboten. Zudem hatte Spahn sich immer gegen Leihmutterschaft ausgesprochen. 2015 sagte er der Zeitschrift GQ: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.“

Rücktrittsforderungen

Auch seine Partei lehnt Leihmutterschaft ab: Die CDU hatte erst im Februar 2026 erneut beschlossen, jede Form der Leihmutterschaft zu verbieten. Da war die Leihmutter bereits schwanger. Spahn schwieg. Am Tag 1 nach der Babynachricht regten sich mächtige Unionspolitiker nur anonym auf. Am Tag 2 forderte der erste CDU-Landeschef, Daniel Peters aus Mecklenburg-Vorpommern, Spahns Rücktritt. Er sagte in BILD: „Mit einer Leihmutterschaft in den USA hat Spahn sich in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt.“ Die anderen Landeschefs schwiegen. Keiner stellte sich hinter Spahn.

Spahn versucht Machterhalt

Spahn spielte auf Zeit. Er kündigte an, bei der ersten Fraktionssitzung im September mit den Abgeordneten zu sprechen. Er wollte kämpfen, vielleicht auch, weil der Drogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) das Gleiche gemacht hatte und es ruhig blieb. Doch Spahn ist nicht irgendein Beauftragter: Er ließ sich im Mai zum Fraktionschef wiederwählen, ohne die Schwangerschaft zu erwähnen. In der SPD sagen Top-Leute: „Spahn ist zentral wichtig dafür, dass die Regierung funktioniert.“

Der Spahn-Plan, die Aufregung auszusitzen, ging schief. Noch vor Ausstrahlung des Podcasts am Freitag verkündete Merz beim deutsch-französischen Regierungstreffen, dass sich das CDU-Präsidium am Montag mit dem Fall Spahn beschäftigen werde. Landesvorsitzende wurden abtelefoniert – keiner unterstützte Spahn. Die CSU wurde zum Gegner. Der bayerische Fraktionschef Klaus Holetschek machte das Leihmutterverbot zu einem Grundwert der Partei.

Der Rücktritt

Samstag, Tag 3: Spahn wachte in Amerika auf, noch bereit zu kämpfen. Am späten Vormittag telefonierten Merz und Spahn. Merz machte klar: Es geht nicht mehr, Du musst zurücktreten. 13.17 Uhr meldete BILD als Erstes: Merz fordert Spahn zum Rücktritt auf. Eine knappe Viertelstunde später landete Spahns Rücktritts-Mail im Posteingang der Abgeordneten. Spahn behält sein Bundestagsmandat. Merz kommentierte: „Die Entscheidung ist richtig und war unvermeidlich. Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut.“

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Personelle Neuaufstellung

Nun muss der Kanzler seine Regierung und Fraktion umbauen. Favorit für die Spahn-Nachfolge ist Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU). Dann bräuchte Merz einen neuen Kanzleramtschef. Gehandelt werden BND-Chef Martin Jäger (CDU) oder Fraktionsvize Günter Krings. Mit der Personalrochade will Merz einen weiteren Absturz der Union verhindern. Im Sonntagstrend kommt die Union auf 21 Prozent, acht Punkte weniger als die AfD.