Jens Spahn ist als Unionsfraktionschef zurückgetreten, nachdem seine widersprüchliche Haltung zur Leihmutterschaft öffentlich wurde. Der CDU-Politiker hatte privat eine Leihmutter genutzt, politisch aber die Legalisierung abgelehnt. Der Druck aus den eigenen Reihen wurde zu groß. Dabei ist dies nur der jüngste in einer Reihe von Skandalen, die Spahns Karriere begleitet haben.
Der Villenkauf: Millionenkredit und fragwürdige Finanzierung
Im Jahr 2020, zu Beginn der Coronapandemie, erwarben Spahn und sein Ehemann Daniel Funke eine Luxusvilla in Berlin für rund vier Millionen Euro. Finanziert wurde der Kauf durch einen Kredit der Sparkasse Westmünsterland, der über die Kaufsumme hinausging und Nebenkosten abdeckte. Die Höhe des Kredits und Spahns unsichere Einkommensperspektive nach dem Ende der Merkel-Regierung sorgten für Kritik.
Als Sicherheit diente unter anderem ein angebliches Erbe von Funkes Vater, das von einer österreichischen Bank verwaltet wurde. Später räumten Spahn und Funke ein, dass die Geschichte vom Erbe nicht stimmte. Die Villa wurde inzwischen wieder verkauft. Laut T-Online beliefen sich die Gesamtkosten für Kauf, Renovierung und Nebenkosten auf 5,5 Millionen Euro, sodass dem Paar ein Verlust von 200.000 Euro entstand.
Das Spendendinner: Undurchsichtige Finanzen während der Pandemie
Im Herbst 2020 traf sich Spahn mit einem Dutzend Unternehmern in Leipzig zu einem privaten Dinner – zu einer Zeit, als vor persönlichen Treffen gewarnt wurde. Mehrere Teilnehmer spendeten später an Spahns CDU-Kreisverband, insgesamt rund 100.000 Euro, wie der SPIEGEL recherchierte. Die Spenden lagen knapp unter der Meldepflichtgrenze von 10.000 Euro pro Spender.
Weder Spahn noch sein Kreisverband legten die Namen der Spender oder Teilnehmer offen. Später wurde bekannt, dass bei dem Dinner keine Masken getragen wurden.
Die Maskendeals: Milliardenverlust für Steuerzahler
Als Gesundheitsminister verursachte Spahn den wohl folgenschwersten Skandal. Er beschaffte 5,6 Milliarden Masken für 5,9 Milliarden Euro – ein großer Teil landete ungenutzt in der Müllverbrennung. Spahn hatte persönlich einen Stückpreis von 4,50 Euro festgelegt, der sich als viel zu hoch erwies.
Ein Speditionsunternehmen aus seiner Heimat wurde mit der Einlagerung und Auslieferung beauftragt, war damit aber überfordert. Spahn verzichtete auf Schadensersatzforderungen. Lieferanten, die ihre bestellten Masken nicht abnehmen konnten, klagten auf Bezahlung. Der Gesamtschaden für Steuerzahler wird auf rund 2,3 Milliarden Euro geschätzt.
Erst Ende Mai 2026 urteilte das Bonner Landgericht, dass der Bund einem Händler fast 219 Millionen Euro für bestellte Masken zahlen muss. Hinzu kommen Verzugszinsen von rund 128 Millionen Euro, sodass allein in diesem Fall ein Schaden von fast 350 Millionen Euro entsteht.
Die Benko-Verbindung: Vertrauliche Dokumente an Unternehmer
Der österreichische Bauunternehmer René Benko, inzwischen mehrfach verurteilt, stand 2020 in regem Austausch mit Spahn. Am 6. Mai 2020 schickte Spahn um 6.29 Uhr ein vertrauliches Dokument an Benko – einen Beschlussentwurf für die Telefonschalte von Kanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs. Benko antwortete um 7.08 Uhr: „Danke lieber Jens – hoffe es geht Dir gut Herzliche Grüße Dein René.“ Im Herbst folgte eine weitere Mail mit einem Beschlussvorschlag, der große Auswirkungen auf Geschäfte hatte. Spahns Anwalt erklärte, es habe nur fachlichen Austausch gegeben.
Das Treffen mit Thiel: Kontakt zu Antidemokraten
Ende Juni 2026 wurde bekannt, dass Spahn an mehreren „Dialog“-Treffen des Techunternehmers Peter Thiel teilgenommen hatte. Thiel, ein Trump-Vertrauter mit antidemokratischen Positionen, lud eine Mischung aus Prominenz, Unternehmern und Politikern ein. Spahn nahm nach eigenen Angaben an fünf Events teil: 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland. Eine Einladung für August 2026 lehnte er ab. Laut „Wired“ standen Themen wie „Bring Back Nuclear“ oder „Navigating WWIII“ auf der Agenda.



