Alkoholverbot an Bahnhöfen: Koalition uneins, Linke kritisiert
Alkoholverbot an Bahnhöfen: Koalition uneins, Linke kritisiert

Die Deutsche Bahn will ab dem 15. Oktober 2026 ein bundesweites Alkoholverbot an Bahnhöfen einführen, um die Sicherheit von Mitarbeitenden und Fahrgästen zu erhöhen. Das Verbot soll auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen gelten, ausgenommen sind die Bahnhofsgastronomien. Die Pläne wurden von der Bahn auf Anfrage der dpa bestätigt und stoßen in der Politik auf ein geteiltes Echo.

Union und SPD begrüßen Initiative, fordern aber Klärung

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, begrüßte den Vorstoß ausdrücklich, wies jedoch auf die Notwendigkeit hin, dass die Bahn die Regeln mit eigenem Personal durchsetzen müsse. „Dass die Deutsche Bahn ihre eigenen Sicherheitsbemühungen verstärkt, begrüße ich ausdrücklich“, sagte Throm dem SPIEGEL. Er verwies darauf, dass die Bundespolizei, die dem Bundesinnenministerium untersteht, für die Sicherheit an Bahnhöfen mitverantwortlich ist. Mit dem neuen Bundespolizeigesetz würden zudem anlasslose Kontrollen in Waffen- und Messerverbotszonen an Bahnhöfen wie in Berlin und Hamburg ermöglicht.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt zeigte sich ebenfalls offen, äußerte aber Bedenken zur Durchsetzung. „Ich finde es erst mal positiv, dass es eine Initiative der Deutschen Bahn gibt, genau in diese Richtung die Situation an Bahnhöfen zu verbessern“, sagte Dobrindt in Berlin. Die Frage der Durchsetzung sei jedoch „problematisch“. Er wolle mit Bahn-Chefin Evelyn Palla über die Grundlagen und Studien sprechen, die zu dieser Idee geführt hätten. „Aber es ist keine Idee, die man vom ersten Moment an direkt in die Tonne treten sollte“, fügte er hinzu.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

SPD sieht Sicherheitsgewinn, pocht auf Rolle der Bundespolizei

Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD, bewertete das geplante Verbot als potenziellen „erheblichen Sicherheitsgewinn“. Er betonte jedoch, dass die Bahn die Beschlusslage des Bundestages vom vorletzten Freitag berücksichtigen müsse, wonach die Bundespolizei die Sicherheitsstandards festlegt und die Bahn sie im Einvernehmen umsetzen muss. „Dies ist bislang augenscheinlich nicht erfolgt“, kritisierte Fiedler. Eine Umsetzung komme nur infrage, wenn die Bahn eine erhebliche personelle Verstärkung bei der DB Sicherheit nachweise und deren Rolle stärke. Die Bundespolizei sei nicht für die Durchsetzung des Verbots zuständig; die Bahn müsse ein Konzept vorlegen, das sicherstelle, dass die Überwachung des Alkoholverbots nicht zu Lasten anderer Sicherheitsaufgaben gehe.

Linke kritisiert Verantwortungsabwälzung und Doppelmoral

Die Linke übte scharfe Kritik an dem Vorstoß. Luke Hoß, Sprecher für Rechtspolitik, warf der Bahn vor, die Verantwortung auf die Angestellten abzuwälzen. „Statt mit einem Alkoholverbot die gesamte Verantwortung auf die Angestellten zu verschieben, sollten die Bahn-Chefin und der Verkehrsminister endlich die Bahnhöfe sanieren“, sagte Hoß. Bahnhöfe müssten wieder Orte werden, an denen man Wartezeiten sicher verbringen könne – gut beleuchtet, mit ausreichend Bänken und mehr Bahnhofsmissionen.

Ateş Gürpınar, drogenpolitischer Sprecher der Linken, erkannte eine Doppelmoral: „Alkohol soll weiter für wenige Euro an jeder Ecke zu erwerben sein, die Konsumenten werden dann aber verscheucht, wenn sie dieses Angebot wahrnehmen.“ Er forderte stattdessen ein Verkaufsverbot von Alkohol an Bahnhöfen und aufsuchende Suchtberatung. Das schaffe echte Sicherheit und mindere den Alkoholkonsum, ganz ohne Kriminalisierung und Verdrängung.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration