Der Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf startet die Gründung eines neuen Klimabeirats, der unabhängig von der Bezirkspolitik agieren soll. Das Gremium wird aus 20 stimmberechtigten und ehrenamtlichen Mitgliedern bestehen: acht Bürgerinnen und Bürger, neun Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, zwei Mitglieder der Kinder- und Jugendvertretung sowie ein Mitglied der Seniorenvertretung. Bewerbungen sind ab sofort über ein Onlineformular möglich.
Unabhängigkeit als Grundprinzip
Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg (Grüne) betonte in der jüngsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung, dass der Beirat „unabhängig und selbstbestimmt“ arbeiten solle. Weder Stadträte noch Fraktionen hätten direktes Stimmrecht. „Der Klimabeirat berät sowohl die Bezirksverordnetenversammlung als auch das Bezirksamt“, erklärte Schellenberg. Ziel sei es, neuen Schwung in den Kampf gegen die Klimakrise zu bringen.
Die Klimaschutzbeauftragte Sina Haas-Herber ergänzte auf Nachfrage des Tagesspiegels: „Eine Hauptaufgabe des Gremiums wird sein, gegenüber Verwaltung, Bezirksamt und Bezirksparlament konkrete Empfehlungen und Stellungnahmen abzugeben.“ Der Beirat solle sich sowohl für die Reduktion von Treibhausgasemissionen als auch für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels engagieren.
Bewerbungsverfahren und Auswahlkriterien
Das Bezirksamt sucht Interessierte, die in einem der acht Ortsteile von Steglitz-Zehlendorf leben oder arbeiten. Das Onlineformular fragt nach beruflichem und thematischem Erfahrungshintergrund sowie der Motivation für die Bewerbung. „Damit soll eine möglichst vielfältige Zusammensetzung gewährleistet werden“, teilt das Bezirksamt mit. Die konstituierende Sitzung ist für September geplant.
Bereits bis Herbst 2021 gab es einen Klimaschutzbeirat im Bezirk, der jedoch nach den Wahlen nicht wieder eingesetzt wurde. 2023 forderten Grüne, SPD und FDP die Neugründung. Ursprünglich war die Einrichtung für 2025 geplant, nun könnte sie ein Jahr später Realität werden – vorausgesetzt, genügend Bürgerinnen und Bürger engagieren sich.
Klimaneutralität bis 2035 als Ziel
Laut dem Koalitionsvertrag der noch im Bezirk regierenden Ampel-Zählgemeinschaft aus Grünen, SPD und FDP soll Steglitz-Zehlendorf bis 2035 klimaneutral sein. Der Klimabeirat ist ein zentrales Instrument, um dieses Ziel zu erreichen. In der Beschlussvorlage des Bezirksamts vom April heißt es: „Der Klimabeirat ist ein unabhängiges und überparteiliches Gremium, das sich für Klimagerechtigkeit im Bezirk einsetzt.“
Die Themenpalette reicht von Verkehrswende über Gebäudesanierung bis hin zu nachhaltiger Stadtentwicklung. Der Beirat soll konkrete Empfehlungen erarbeiten, die in die politische Entscheidungsfindung einfließen. „Hitze, Starkregen, Dürre – die aktuelle Hitzewelle zeigt, wie dringend wir handeln müssen“, so die Bürgermeisterin.



