Bayern: Ticket-Swiping im Nahverkehr ab 2027 geplant
Bayern: Ticket-Swiping ab 2027 im Nahverkehr

München – Ab 2027 soll das umständliche Ticketkaufen im bayerischen Nahverkehr der Vergangenheit angehören. Statt Fahrkarten zu ziehen oder Apps zu bedienen, sollen Fahrgäste dann einfach per EC-Karte, Kreditkarte oder Smartphone ein- und auschecken. Das kündigte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) an. Das System soll bayernweit einheitlich funktionieren und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) deutlich attraktiver machen.

Einchecken per Karte oder Smartphone

Das Prinzip ist simpel: Beim Einsteigen hält man die Karte oder das Handy an ein Lesegerät, beim Aussteigen erneut. Das System erkennt die zurückgelegte Strecke und berechnet automatisch den günstigsten Tarif. Ein separates Ticketkaufen entfällt. „Wir wollen den Nahverkehr so einfach machen wie möglich“, sagte Bernreiter bei der Vorstellung der Pläne in München. „Das Check-in/Check-out-System ist ein Meilenstein für die Mobilität in Bayern.“

Bislang gibt es in Bayern zahlreiche Verkehrsverbünde mit unterschiedlichen Tarifen und Tickets. Fahrgäste müssen sich vorab informieren, welches Ticket für ihre Fahrt gilt. Das neue System soll diese Hürde beseitigen. Es wird bereits in anderen Regionen Deutschlands erfolgreich eingesetzt, etwa im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) oder im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB).

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Bayernweites System geplant

Anders als in anderen Regionen, wo das System nur innerhalb eines Verbunds gilt, soll es in Bayern von Anfang an bayernweit funktionieren. Das bedeutet: Ein Fahrgast, der von München nach Nürnberg fährt, kann durchgängig mit derselben Karte ein- und auschecken, ohne sich um Tarifgrenzen kümmern zu müssen. Auch Umstiege zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wie Bus, Bahn oder U-Bahn sollen automatisch erkannt werden.

Die technische Umsetzung wird derzeit vorbereitet. Der Freistaat hat dafür eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die im kommenden Jahr abgeschlossen werden soll. Die Kosten für die Einführung werden auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Das Land will sich an der Finanzierung beteiligen, die Verkehrsunternehmen sollen die Lesegeräte installieren.

Mehr Fahrgäste erwartet

Mit dem neuen System erhofft sich die Staatsregierung eine Steigerung der Fahrgastzahlen. „Wir wollen den Umstieg vom Auto auf den Nahverkehr erleichtern“, sagte Bernreiter. „Gerade Gelegenheitsfahrer, die nur selten Bus oder Bahn nutzen, schrecken oft vor der Tarifvielfalt zurück. Das wird sich mit dem neuen System ändern.“

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte die Ankündigung. „Das ist ein längst überfälliger Schritt“, sagte ein Sprecher. „Allerdings muss das System zuverlässig funktionieren und auch für Menschen ohne Smartphone oder Bankkarte nutzbar sein. Es darf keine Fahrgäste ausschließen.“ Auch der Bayerische Städtetag zeigte sich offen, mahnte aber eine enge Abstimmung mit den Kommunen an.

Bis 2027 soll alles stehen

Bis zur Einführung im Jahr 2027 müssen noch zahlreiche Fragen geklärt werden: Welche Lesegeräte kommen zum Einsatz? Wie werden die Daten abgerechnet? Und wie wird die Datensicherheit gewährleistet? Bernreiter zeigte sich zuversichtlich: „Wir werden das Projekt mit Hochdruck vorantreiben. Das Ziel ist klar: Ab 2027 können alle Fahrgäste in Bayern bequem per Karte oder Handy in den Nahverkehr einsteigen.“

Das neue System soll auch mit dem geplanten Deutschlandticket kompatibel sein. Wer ein Deutschlandticket besitzt, kann es weiterhin nutzen, muss aber nicht mehr das Check-in-Verfahren anwenden. Für alle anderen wird das Swiping zur Standardmethode.

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