Waldbrandgefahr in NRW steigt dramatisch
Mit dem Geräusch knackender Äste bahnen sich 10.000 Liter Löschwasser den Weg durch das Unterholz. Huckepack getragen von einer Holzerntemaschine mit Spezialaufsatz – der „Fire Fighter“ soll Waldbrände dort im Keim bekämpfen, wo normale Feuerwehrfahrzeuge nicht hinkommen. In schwierigem Gelände wie diesem steilen Hang in der Eifel stellt sich die Frage: Drohen jetzt auch in Nordrhein-Westfalen verheerende Waldbrände wie zuletzt in Spanien?
„Die Waldbrandgefahr steigt“, stellt der Leiter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW, Thomas Kämmerling, fest. Dabei spielen Kahlflächen durch das Fichtensterben und immer mehr Trockenperioden eine Rolle. Während es früher meist um kleine Brände und Bodenfeuer ging, gebe es immer mehr Vollfeuer mit brennenden Baumkronen. Mittelgebirgslagen in der Eifel, im Sauerland und im Bergischen Land gehören inzwischen zu den gefährdeten Gebieten in NRW.
Deutliche Zunahme von Risikotagen
An immer mehr Tagen im Jahr ist die Waldbrandgefahr in Teilen von NRW hoch oder sehr hoch. „Wir haben eine deutliche Zunahme“, sagt Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Im Mittel der Jahre 1961 bis 1990 wurden die Stufen 4 und 5 des Waldbrandgefahrenindex an 2,5 Tagen im Jahr erreicht. Von 1991 bis 2020 war das im Schnitt an 5,6 Tagen der Fall. In diesem Jahr sind es bisher durch die Trockenheit im Juli schon 7 Tage.
„Es ist wahrscheinlich, dass sich der Trend langfristig fortsetzen wird“, meint Brömser. Ein Faktor seien die Niederschläge. Seltener als früher gebe es flächendeckenden Landregen, der Boden allmählich durchnässe. Bei dem zunehmend auftretenden Starkregen fließe viel Regen oberflächlich ab, nur wenig trage zur Durchfeuchtung des Bodens bei. Höhere Temperaturen führten zu höherer Verdunstung, die obere Bodenschicht trockne schneller aus.
Spanische Verhältnisse unwahrscheinlich
Die Lage in Spanien sei eine andere Kategorie, erklärt Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme: Allein ein Waldbrand in Andalusien habe mindestens zwölf Menschenleben gefordert, seit Jahresbeginn seien über 50.000 Hektar verbrannt. In Deutschland seien es im gesamten vergangenen Jahr 2.626 Hektar gewesen. Auch Kämmerling unterstreicht: „Da sind wir nicht.“ Aber man müsse sich für das aufstellen, was da komme. „Es wird wärmer und es wird trockener.“
Meteorologe Karsten Schwanke sagt, man sehe eine starke Zunahme der sehr heißen Tage – der über 35 Grad. „Ich denke, dass wir schon in den 2030ern eine ähnlich starke Zunahme bei Tagen mit mehr als 40 Grad erleben werden.“
Klima, Landschaft und Pflanzen anders
Sanders zählt auf: Spanien habe eine ausgeprägte Sommertrockenheit, oft steile Lagen, leicht entzündliche Vegetation wie Pinien und Buschland, in denen sich Feuer mit extremer, selbst erzeugter Dynamik entwickeln können. Solche Bedingungen gebe es in Deutschland nicht flächendeckend, am ehesten lasse sich die Situation noch mit Brandenburg und seinen Kieferforsten vergleichen.
„Trotzdem sollte man das nicht verharmlosen: Auch in Deutschland und NRW steigt die grundsätzliche Gefährdungslage messbar“, betont Sanders. Vor allem zwischen März und Juli habe die Waldbrandgefahr in den letzten 30 Jahren klimabedingt zugenommen. Eine Wiederholung spanischer Verhältnisse mit Todesopfern „ist bei uns aktuell unwahrscheinlich“. Aber größere, intensivere Einzelbrände in Risikogebieten seien bei anhaltender Hitze durchaus möglich.
Landesregierung rüstet auf
„Wir sehen ja alle, der Klimawandel hat eine ganze Menge verändert und dementsprechend müssen wir auch anders vorsorgen, uns anders anpassen“, betont Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) bei der Übung in der Eifel. Der erste „Fire Fighter“ ist seit drei Jahren im Sauerland stationiert, der zweite jetzt in der Eifel. Zum Waldbrandschutzkonzept des Landes gehören auch die Sanierung von Löschteichen und Stellplätze für Faltbehälter.
Majka Hutmacher demonstriert bei der Übung die neue Ausrüstung. Dazu gehört eine Spezialhacke, die auch in Spanien zum Einsatz kommt. Mit den zackigen und scharfen Kanten komme man besser in den Boden, um etwa Furchen zu ziehen. „Damit kriegt man auch wirklich viel weggeräumt und weggezogen“, beschreibt die Verwaltungsmitarbeiterin der Stadt Simmerath. Auch die leichtere Bekleidung als die schwere Standardausrüstung helfe.
Drohnen und Hubschrauber im Einsatz
Die Städteregion Aachen hat einen Materialcontainer mit diesen und weiteren Geräten zu der Waldbrandübung gebracht. Ein kleines Geländefahrzeug mit Tank und Schläuchen ist ebenfalls dabei. Außerdem könnten Drohnen bei der Waldbrandbekämpfung zur Lokalisierung eingesetzt werden. „Da sieht man, wohin das Feuer geht“, sagt Thomas Sprank, Kreisbrandmeister aus Aachen. Auch Polizeihubschrauber mit Wassertanks können bei Waldbränden helfen.
Wie Kämmerling beschreibt, ereignen sich bereits jetzt relativ viele Waldbrände in NRW: An jedem dritten Tag, wie der Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre zeige. Die zerstörte Fläche sei mit 0,3 Hektar pro Waldbrand im Schnitt bisher relativ klein. „Fluch und Segen zugleich“ sei die hohe Bevölkerungszahl von 18 Millionen Menschen in NRW bei den Waldbränden. Oft würden sie von Menschen verursacht. Die Feuer würden aber auch meist schnell entdeckt.
„Wir konnten es gut sehen, als wir dieses ganz heiße Wochenende mit knapp 40 Grad und darüber hatten, hatten wir keinen Waldbrand“, sagt Gorißen. Der Wald entzünde sich nicht einfach und an jenen Hitzetagen seien die Leute nicht rausgegangen. Mit zahlreichen Warnschildern an Waldwegen werde auf die große Brandgefahr etwa durch achtlos weggeworfene Zigaretten hingewiesen.



