Die Bundesregierung plant eine Reform des Elterngeldes, die Familien finanziell entlasten, aber auch den Staat entlasten soll. Nach SPIEGEL-Informationen aus Koalitionskreisen soll die Leistung erhöht, die Bezugsdauer jedoch von 14 auf 12 Monate verkürzt werden – allerdings nur, wenn beide Partner jeweils mindestens vier Monate Elternzeit nehmen. Bisher lag die Mindestdauer bei zwei Monaten.
Väter in der Pflicht: Mehr Elternzeit für Partner
Familienministerin Karin Prien (CDU) setzt damit eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um. Gleichzeitig könne der Staat Geld sparen, wenn Väter die geforderte Elternzeit nicht leisten. „Prien plant, die Väter in die Pflicht zu nehmen. Und sollten die nicht mitspielen? Dann spart der Staat Geld“, erklären Milena Hassenkamp und Gerald Traufetter aus dem SPIEGEL-Hauptstadtbüro. Die Reform sei zynisch, aber auch genial: Sie setze auf die traditionelle Rollenverteilung, wonach Väter schnell ins Büro zurückkehren.
Volkswagen: Bis zu 100.000 Jobs bedroht
Beim Autobauer Volkswagen sorgt Konzernchef Oliver Blume mit einem massiven Stellenabbau für Schlagzeilen. In den kommenden Jahren sollen bis zu 100.000 Arbeitsplätze gestrichen und vier deutsche Werke geschlossen werden. Die Volkswagen AG würde dadurch ein völlig anderes Unternehmen, berichtet das manager magazin. Alexander Demling aus der SPIEGEL-Wirtschaftsredaktion analysiert: „In China, wo Volkswagen lange Marktführer war, haben heimische Player wie BYD oder Geely den Deutschen den Rang abgelaufen. In Europa, vor allem in Deutschland, könne der Konzern noch immer eine halbe Million mehr Autos bauen als verkaufen, was der Jahresproduktion mehrerer Werke entspricht.“
Istanbul-Prozess: Lange Haftstrafen für Vergiftung einer Hamburger Familie
Im November war eine Familie mit zwei kleinen Kindern aus Hamburg während eines Istanbul-Urlaubs nach Erbrechen und Übelkeit gestorben. Zunächst vermuteten die Behörden eine Lebensmittelvergiftung, doch ein Gutachten ergab eine Vergiftung durch ein Insektizid zur Schädlingsbekämpfung im Hotel. Heute sprach das Istanbuler Gericht Caglayan vier der sechs Angeklagten schuldig. Der Hotelbetreiber erhielt 13 Jahre und vier Monate Haft, der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma und sein Sohn jeweils 18 Jahre, ein Mitarbeiter zwölf Jahre und zwei Monate. Der Richter nannte als Grund „bewusste fahrlässige Tötung“. Die Rezeptionisten wurden freigesprochen. Der Bruder des verstorbenen Vaters sagte der dpa, er empfinde 18 Jahre als „gerechte Strafe“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Weitere wichtige Nachrichten des Tages
Auf der Krim hat ein russischer Gouverneur den Ausnahmezustand verhängt, nachdem die Ukraine gezielt Öllager angegriffen hatte, was zu Engpässen bei Benzin und Strom führte. Bahn-Chefin Evelyn Palla kündigte an, bei Stuttgart 21 reinen Tisch zu machen und nannte vier Hauptgründe für die Probleme: „Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben.“ Der Todesfahrer von Magdeburg, Taleb Al Abdulmohsen, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem er auf dem Weihnachtsmarkt sechs Menschen getötet und über 300 verletzt hatte. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest.
Kultur: Letzte Staffel von „The Bear“ startet
Seit vier Jahren begeistert die Serie „The Bear“ über einen Sandwichladen in Chicago. Heute startet die fünfte und letzte Staffel. Kollege Oliver Kaever schreibt: „Dass hier jeder Konflikt angegangen und aufgelöst wird, befremdet geradezu. Aber es rührt auch.“ Die Serie sei eine Allegorie auf den Versuch der Menschen in den USA, trotz Zwist einen gemeinsamen Nenner zu finden.



