Die Bürgerinitiative von Gatow kämpft für einen eigenen Pfarrer – und sie hat recht. Die geplante Zusammenlegung von Gemeinden zu einem Pfarrsprengel gefährdet die Seelsorge vor Ort. Ein Kommentar von Florentine Lippmann, Bezirksreporterin Spandau.
Der Protest der Gatower Gemeinde
Seit Monaten wehrt sich die Kirchengemeinde Gatow gegen die Pläne der Landeskirche. Diese sieht vor, mehrere Gemeinden zu einem Pfarrsprengel zusammenzufassen. Die Gatower befürchten, dass dadurch die persönliche Betreuung leidet. „Ein Pfarrer, der nur selten vor Ort ist, kann keine Gemeinde aufbauen“, sagt ein Sprecher der Bürgerinitiative. Die Kirche hingegen argumentiert mit sinkenden Mitgliederzahlen und finanziellen Engpässen.
Warum ein eigener Pfarrer wichtig ist
Gatow ist ein besonderer Ortsteil. Mit rund 4.000 Einwohnern ist er überschaubar, aber die Gemeinde ist aktiv. Es gibt einen Kindergarten, zahlreiche Veranstaltungen und eine hohe Beteiligung am Gemeindeleben. Ein Pfarrer, der nur für Gottesdienste und Amtshandlungen kommt, kann diese Struktur nicht aufrechterhalten. „Die Menschen brauchen einen Ansprechpartner, der ihre Sorgen kennt“, betont die Bürgerinitiative.
Die wirtschaftliche Seite der Reform
Die Landeskirche spart durch die Fusion Personalkosten. Doch der Preis ist hoch: Die Gemeinden verlieren ihre Identität. In Gatow sind die Kirchensteuereinnahmen stabil, ein Defizit besteht nicht. Dennoch soll der Pfarrsprengel kommen. Die Bürgerinitiative hat bereits über 1.000 Unterschriften gesammelt – ein starkes Zeichen.
Ein Kommentar zur Entscheidung
Die Kirche sollte auf die Basis hören. Gatow hat bewiesen, dass es eine lebendige Gemeinde ist. Ein eigener Pfarrer ist keine Luxusforderung, sondern eine Notwendigkeit. Die Landeskirche muss umdenken, sonst verliert sie nicht nur Mitglieder, sondern auch Vertrauen.



