Die Staatsanwaltschaft Krefeld ermittelt gegen zwei Vollzugsbeamte der Justizvollzugsanstalt Willich 1 unter anderem wegen des Verdachts des Drogenhandels und der Bestechlichkeit. Am 13. Juli 2026 fanden Durchsuchungen in der JVA nahe Mönchengladbach statt. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte die Maßnahmen, die Beweismittel würden derzeit ausgewertet. Weitere Details nannte die Behörde zunächst nicht. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte zuerst berichtet.
Ermittlungen in JVA Willich 1
Die Razzia in der JVA Willich 1 ist nicht der erste Korruptionsfall in nordrhein-westfälischen Gefängnissen. Bereits zuvor gab es Durchsuchungen in den Justizvollzugsanstalten Euskirchen und Rheinbach. In Euskirchen sollen mehrere Schwerkriminelle gegen Geld Vorzüge wie Urlaub oder Freigang erhalten haben. In Rheinbach stehen Bedienstete im Verdacht, in Drogenschmuggel verwickelt gewesen zu sein. Zudem wurde die JVA Siegburg nach Hinweisen auf einen angeblich geplanten Gefangenenaufstand durchsucht.
Die Opposition im Landtag kritisiert, dass die Abgeordneten nicht über die Ermittlungen in Willich informiert wurden. Dabei hatten die Vorfälle in Euskirchen, Rheinbach und Siegburg den Rechtsausschuss bereits mehrfach beschäftigt. Der FDP-Abgeordnete Werner Pfeil äußerte gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ einen „Verdacht der Vertuschung“. Das Parlament hätte über die Durchsuchung informiert werden müssen.
Versäumte Information des Landtags
Die Staatssekretärin im NRW-Justizministerium, Daniela Brückner, entschuldigte sich am Mittwoch bei den Obleuten im Rechtsausschuss für das Versäumnis. In einer der dpa vorliegenden E-Mail schrieb Brückner: „Wir klären derzeit auf, warum eine Information des Parlaments nicht erfolgt ist. Das Parlament hätte über die Maßnahme informiert werden müssen.“ Das Ministerium werde seine internen Prozesse und Strukturen analysieren, um eine umfassende Information des Parlaments sicherzustellen.
Trotz der Entschuldigung fordern SPD und FDP eine Sondersitzung des Rechtsausschusses. Ein gemeinsamer Antrag der Oppositionsfraktionen liegt bereits vor. Ein Termin für die Sitzung steht noch aus. Erst vergangene Woche Donnerstag hatte eine Sondersitzung zu den angeblichen Aufstandsplänen in der JVA Siegburg stattgefunden.
Opposition fordert Aufklärung
Die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sonja Bongers, kritisierte Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) scharf. „Er hat die Kontrolle über den Justizvollzug in NRW verloren“, so Bongers. Während sich die Korruptionsverdachtsfälle in den Justizvollzugsanstalten mehrten, verschweige der Minister „über Wochen hinweg, was in seinem Verantwortungsbereich geschieht“. Das Schweigen des Ministers schade nicht nur seiner eigenen Glaubwürdigkeit, sondern verspiele auch Vertrauen in den Justizvollzug in NRW.
Der FDP-Politiker Werner Pfeil forderte: „Der Minister muss im Rechtsausschuss erklären, warum er Öffentlichkeit und Parlament über die Razzia in Willich wochenlang nicht informiert hat.“ Die Opposition verlangt eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und eine Stärkung der Kontrollmechanismen in den Gefängnissen des Landes.
Die Serie von Korruptionsermittlungen in NRW-Justizvollzugsanstalten hat das Vertrauen in die Anstalten erschüttert. Die Staatsanwaltschaft Krefeld prüft nun die sichergestellten Beweismittel, um die Vorwürfe gegen die beiden Beamten in Willich zu erhärten. Die politische Debatte über die Informationspflicht des Justizministeriums gegenüber dem Landtag dürfte in den kommenden Tagen anhalten.



