Ein wütendes Handy-Video eines Kriegsveteranen erschüttert Russlands Machtzentrum. Darin prangert der Armee-Rebell Missstände an und droht offen mit Meuterei – Experten fühlen sich an den Marsch der Wagner-Söldner nach Moskau erinnert, der Wladimir Putin vor fast genau drei Jahren beinahe die Macht gekostet hätte.
Die Bedrohung für Putin
Der Veteran, der sich selbst als „Armee-Rebell“ bezeichnet, veröffentlichte das Video auf Instagram. Darin kritisiert er die Führung der russischen Streitkräfte und fordert eine sofortige Änderung der Militärpolitik. Sollte der Kreml nicht reagieren, droht er mit einer bewaffneten Aktion. Die Aufnahmen zeigen ihn in Militäruniform vor einer Karte der Ukraine.
„Die Korruption und Inkompetenz an der Spitze kostet uns den Sieg“, sagt der Veteran in dem Video. „Wenn sich nichts ändert, werden wir selbst für Ordnung sorgen.“ Die genauen Forderungen und die Identität des Mannes sind bislang nicht vollständig geklärt. Der Kreml hat jedoch bereits reagiert: Sicherheitskräfte wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, und die Behörden prüfen rechtliche Schritte gegen den Rebellen.
Parallelen zum Wagner-Marsch
Die Situation erinnert an den Marsch der Wagner-Söldner nach Moskau im Juni 2023. Damals führte Jewgeni Prigoschin, der damalige Chef der Söldnergruppe, seine Truppen in Richtung Hauptstadt, um gegen die Militärführung zu protestieren. Der Marsch wurde erst nach Vermittlung durch den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko gestoppt. Prigoschin starb zwei Monate später bei einem Flugzeugabsturz.
„Die aktuelle Drohung ist nicht weniger gefährlich“, sagt der Militärexperte Michail Chodorkowski, der aus dem Exil spricht. „Die Stimmung in der Armee ist angespannt, und ein einzelner Veteran könnte einen Funken entzünden, der eine größere Rebellion auslöst.“ Der Kreml habe die Kontrolle über die Streitkräfte nicht vollständig, so der Experte weiter.
Reaktionen aus dem Kreml
Der Kreml hat die Drohungen heruntergespielt. „Ein isolierter Vorfall, der von unseren Sicherheitskräften bearbeitet wird“, erklärte Sprecher Dmitri Peskow. Gleichzeitig wurden jedoch zusätzliche Truppen in der Region Moskau stationiert. Beobachter werten dies als Zeichen der Nervosität.
In russischen sozialen Medien wird das Video bereits tausendfach geteilt. Viele Nutzer unterstützen den Rebellen und fordern eine Säuberung der Militärführung. Die Opposition sieht darin ein Zeichen für die zunehmende Unzufriedenheit in der Armee. „Putins Macht bröckelt“, schrieb der inhaftierte Oppositionspolitiker Alexej Nawalny in einem Statement, das von seinen Anwälten veröffentlicht wurde.
Ausblick
Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Armee-Rebell seine Drohungen wahrmacht oder ob der Kreml die Situation unter Kontrolle bringt. Experten warnen vor einer Eskalation, falls die Forderungen ignoriert werden. „Putin steht vor einer Zerreißprobe“, so Chodorkowski. „Die Armee ist der letzte Pfeiler seiner Macht – wenn dieser bröckelt, könnte das Regime fallen.“



