Brandenburgs Politiker fordern Lösungen für Bahn-Chaos auf Berlin-Hamburg-Strecke
Brandenburg fordert Lösungen für Bahn-Chaos auf ICE-Strecke

Massive Verzögerungen bei ICE-Streckensanierung sorgen für Unmut

Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (parteilos) hat die anhaltenden Verzögerungen bei der Generalsanierung der zentralen Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin als „herben Schlag“ für die Menschen in Brandenburg bezeichnet. Viele Pendlerinnen und Pendler zwischen der Prignitz, dem Havelland, Berlin und Hamburg hätten ihren Alltag auf die ursprünglich zugesagten neun Monate Sperrung eingestellt, müssen sich nun aber mit längeren Fahrzeiten, komplizierten Umwegen und einem sehr dichten Schienenersatzverkehr arrangieren.

„Eine Verlängerung der Vollsperrung strapaziert nicht nur die Nerven, sondern ganz konkret den Tagesablauf der Menschen, ihre Familienzeit und ihre Arbeit“, so Tabbert in einer deutlichen Stellungnahme. Aus seiner Sicht sei die Generalsanierung der ICE-Strecke grundsätzlich richtig und wichtig gewesen, damit die Züge künftig zuverlässiger und pünktlicher unterwegs sein können.

Forderungen nach verbindlichen Zeitplänen und besserer Kommunikation

„Aber ein Projekt dieser Größenordnung lebt von Verlässlichkeit“, betonte der Minister. „Wer eine neunmonatige Vollsperrung ankündigt, muss alles daransetzen, diesen Rahmen auch einzuhalten. Wenn das – etwa wegen massiver Wintereinwirkungen auf die Baustelle – nicht gelingt, braucht es frühzeitige, ehrliche Kommunikation und tragfähige Alternativen für die Fahrgäste.“

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Dass die Verzögerung erst so spät und unter dem Eindruck der aktuellen Bauprobleme öffentlich geworden sei, bezeichnete Tabbert als „äußerst unbefriedigend“. Er erwarte von der Deutschen Bahn einen „belastbaren, aktualisierten Bau- und Zeitplan“ sowie konkrete Szenarien für die verlängerte Sperrzeit. Zudem solle der Schienenersatzverkehr so organisiert werden, dass Brandenburgs Pendlerinnen und Pendler nicht die Hauptleidtragenden sind.

Kritik aus allen politischen Lagern

In der Brandenburger Landespolitik war das Entsetzen über die Verzögerungen groß. Der Prignitzer CDU-Abgeordnete Gordon Hoffmann nannte die Sperrung der Bahnstrecke „eine absolute Zumutung“ für die Menschen in der Region. „Bei der Bahn ist man überrascht, dass es im Winter kalt ist: Das ist nur noch peinlich“, kritisierte Hoffmann und forderte ein verbindliches Datum für die Wiederinbetriebnahme.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der BSW-Landtagsfraktion, Falk Peschel, nannte es unverständlich, dass der Winter nicht berücksichtigt worden sei. Der Fraktionschef des BSW, Nils-Olaf Lüders, verwies darauf, dass die Generalsanierung eigentlich die Baudauer verkürzen sollte: „Jetzt ist das Umgekehrte eingetreten, das sollte eigentlich nicht passieren.“

Forderungen nach finanzieller Entlastung

Der Bundestagsabgeordnete der Linken, Christian Görke, kritisierte, dass die Bahn „mal wieder unpünktlich“ sei. Die etwa 10.000 täglichen Pendlerinnen und Pendler aus Nordwest-Brandenburg zahlten jetzt den Preis. Görke forderte, dass die Kosten des zusätzlichen Ersatzverkehrs komplett vom Bund übernommen werden sollten, da der Brandenburger Landeshaushalt bereits enorme Lücken verzeichne.

„Eine alleinige Finanzierung des verlängerten Schienenersatzverkehrs seitens des Bundes wäre deshalb das Mindeste“, so Görke. Die Linken hätten stets eine Sanierung ohne Vollsperrung gefordert und einen eingleisigen Baustellenverkehr vorgeschlagen, um den Menschen auf ihrem Arbeitsweg nicht noch mehr Lebenszeit zu rauben.

Enttäuschte Bahnfans und unklare Perspektiven

Der Abgeordnete der Grünen, Michael Kellner, der sich selbst als erklärten Bahnfan bezeichnet, spürte am Dienstag gar das Gefühl eines „enttäuschten Liebhabers“. Schokolade an die Fahrgäste zu verteilen, reiche nicht mehr aus. „Die Bahn sollte dringend einen Zeitplan vorlegen, statt ihre Fahrgäste in der Kälte zurückzulassen“, forderte Kellner.

Wann die Sanierung der zentralen Bahnstrecke Berlin-Hamburg tatsächlich fertiggestellt sein wird, bleibt weiterhin unklar. Die Brandenburger Landespolitiker mahnen eine schnelle Lösung für die Hamburg-Linie an und fordern von der Deutschen Bahn mehr Verlässlichkeit und Transparenz im Umgang mit den betroffenen Pendlerinnen und Pendlern.

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