Zugbegleiter erhält Ehrung für außergewöhnlichen Einsatz im Schneechaos
Ehrung für Zugbegleiter: Menschlichkeit trotz Gewalt

Goldene Auszeichnung für Zugbegleiter nach dramatischer Rettungsaktion

In einer bewegenden Zeremonie im historischen Kaiserbahnhof Potsdam hat die Allianz pro Schiene die Auszeichnung „Eisenbahner mit Herz 2026“ verliehen. Unter den Preisträgern befindet sich der Zugbegleiter Ronald-Phillip Tolkiehn, der während einer dramatischen Zugstrandung im baden-württembergischen Esslingen außergewöhnlichen Einsatz zeigte.

Dreieinhalb Stunden im feststeckenden Regionalzug

An einem eisigen Januarabend steckte ein vollbesetzter Regionalzug dreieinhalb Stunden lang im Schneechaos fest. Während bei vielen Fahrgästen Verzweiflung aufkam, bewahrte Zugbegleiter Tolkiehn die Ruhe. Er kümmerte sich intensiv um jeden einzelnen Reisenden, telefonierte sogar mit dem Bewährungshelfer zweier Häftlinge auf Freigang, die Angst vor einer Strafe hatten.

Als der Zug schließlich am Bahnhof ankam, war die Tortur für viele noch nicht beendet. Das Ehepaar Korn, auf dem Heimweg von Sylt gestrandet, rechnete bereits damit, die Nacht auf Metallbänken verbringen zu müssen. „Kein Taxi fuhr mehr, alle hatten ob der Schneemassen aufgegeben“, erinnert sich Ulrike Korn. Doch Tolkiehn gab nicht auf: Er lud das ältere Paar kurzerhand in sein eigenes Auto und fuhr sie behutsam durch den Schnee nach Hause.

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Preisverleihung im Zeichen des Gedenkens

Die diesjährige Preisverleihung steht im Schatten eines tragischen Vorfalls. Im Februar wurde der Zugbegleiter Serkan Çalar bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz tödlich angegriffen. Der 36-jährige alleinerziehende Vater zweier Kinder erlag seinen schweren Verletzungen.

„Wir werden mit einer Gedenkminute an Serkan Çalar starten“, betont Pressesprecherin Sabrina Wendling von der Allianz pro Schiene. „Ich bin mir sicher: Jeder der Preisträger trägt ihn in sich bei der Verleihung.“ Die Auszeichnung soll Bahnbeschäftigten Wertschätzung zurückgeben, die trotz verbaler und körperlicher Übergriffe sowie täglicher Herausforderungen wie Verspätungen ihren Job mit Hingabe ausüben.

Weitere Preisträger aus ganz Deutschland

Neben Tolkiehn wurden weitere engagierte Eisenbahner ausgezeichnet:

  • Manuel Drechsel, Steffen Richter und Sven Schimmel aus Dresden erhalten den silbernen Preis für ihre Fürsorge gegenüber einer Reisenden mit posttraumatischer Belastungsstörung nach einem Krampfanfall. Sie nahmen sie abgeschirmt in den Lokführerstand, damit sie zur Ruhe kommen konnte.
  • Patricia Bergmann, Mobilitätsservice-Mitarbeiterin am Bahnhof Landshut, wird mit Bronze geehrt. Als „gute Seele“ half sie einer 14-jährigen Rollstuhlfahrerin trotz fehlenden Aufzugs mit großem Einsatz.
  • Den Sonderpreis erhält Alexander Rezek, Servicemitarbeiter im Reisezentrum am Kölner Hauptbahnhof, dessen freundliche Art ihm regelmäßig Fanpost einbringt.

Die Auszeichnung „Eisenbahner mit Herz“ wird bereits zum 16. Mal vergeben und würdigt besonderes Engagement von Bahnbeschäftigten in ganz Deutschland. Alle Preisträger wurden von dankbaren Reisenden vorgeschlagen, die sich positiv an die Begegnungen erinnern.

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