Offener Brief: Filmschaffende kritisieren Berlinale für mangelnde Positionierung zu Gaza
Filmschaffende kritisieren Berlinale zu Gaza in offenem Brief

Offener Brief: Filmschaffende kritisieren Berlinale für mangelnde Positionierung zu Gaza

Das renommierte Branchenblatt „Variety“ hat am Dienstagabend einen offenen Brief veröffentlicht, in dem zahlreiche Filmschaffende der Berlinale mangelnde Positionierung zum Krieg im Gazastreifen vorwerfen. Das Schreiben wurde von etwa 80 internationalen Künstlern unterzeichnet, darunter prominente Namen wie der Schauspieler Javier Bardem, die Künstlerin Nan Goldin und die Schauspielerin Tilda Swinton, die im vergangenen Jahr den Goldenen Ehrenbären der Berlinale erhalten hatte.

Vorwurf des institutionellen Schweigens

In dem offenen Brief äußern die Unterzeichner ihre Entrüstung über das „institutionelle Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern“. Sie kritisieren, dass sich das Festival zu Gräueltaten im Iran und in der Ukraine klar positioniert habe, während es zum Konflikt in Gaza schweige. Israel bestreitet die Vorwürfe eines Völkermords im Gazastreifen, eine Position, die auch von der Bundesregierung geteilt wird. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag läuft derzeit eine von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage gegen Israel, wobei ein Urteil noch aussteht.

Nahostkonflikt als wiederkehrendes Thema bei der Berlinale

Seit Beginn der Filmfestspiele war der Nahostkonflikt bei Pressekonferenzen mehrfach Thema politischer Diskussionen. Jurypräsident Wim Wenders betonte, dass Filmschaffende ein Gegenwicht zur Politik darstellen sollten. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy kritisierte diese Haltung und sagte ihre Teilnahme an der Berlinale ab, was das Festival bedauerte.

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Festivalchefin Tricia Tuttle hob in einer Stellungnahme am Wochenende hervor, dass viele Filmschaffende bei der Berlinale einen tief verwurzelten Respekt vor der Würde jedes Menschen besäßen. „Wir glauben nicht, dass es unter den hier vertretenen Filmschaffenden jemanden gibt, dem gleichgültig wäre, was in dieser Welt geschieht – jemanden, der die Rechte, das Leben oder das immense Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Iran, in der Ukraine, in Minneapolis und an einer erschreckend großen Zahl weiterer Orte nicht ernst nähme.“

Historische Debatten und Kontroversen

Der Nahostkonflikt hat die Berlinale auch in den vergangenen Jahren beschäftigt. Nach der Abschlussgala 2024 wurde das Festival kritisiert, weil einzelne Preisträger das Vorgehen Israels im Gazastreifen massiv kritisierten, ohne den Terrorangriff der islamistischen Hamas vom Oktober 2023 zu erwähnen. Dies löste eine breite Debatte aus, die bis hin zu Vorwürfen von Antisemitismus reichte. Die aktuelle Kritik im offenen Brief unterstreicht die anhaltende politische Sensibilität des Themas und die Erwartungen an die Berlinale als politisches Filmfestival.

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