Simson-Mopeds als Politikum: AfD-Chef Höcke wehrt sich gegen Kritik der jüdischen Familie
Die legendären Simson-Mopeds aus DDR-Produktion sind zum Gegenstand einer politischen Kontroverse geworden. Thüringens AfD-Chef Björn Höcke, der im Wahlkampf wiederholt mit einer S51 durchs Land kurvte und die Traditionsmarke in seinen Reden erwähnte, wehrt sich nun gegen die Kritik der Nachfahren der jüdischen Familie Simson.
Höcke nennt Kritik "befremdlich"
Björn Höcke reagierte auf die jüngsten Äußerungen der Nachfahren der Familie Simson mit deutlichen Worten. Er bezeichnete deren Kritik an der politischen Vereinnahmung der Marke durch die AfD als "befremdlich". In einer Stellungnahme erklärte der AfD-Politiker: "Die Nutzung von Alltagsobjekten als 'Vereinnahmung' zu deuten, ersetzt Argumente durch Symbolhysterie."
Besonders bemerkenswert ist Höckes Umdeutung der Wendung "Nie wieder!", die seit dem Zweiten Weltkrieg meist im Zusammenhang mit "nie wieder Faschismus" oder "nie wieder Krieg" verwendet wird. Der AfD-Chef interpretierte sie anders: "Gerade hier sollte das 'Nie wieder!' gelten: keine Kollektivzuweisung, keine Gesinnungsverdächtigung, keine politische Erbschuld."
Familie Simson lehnt Verbindung mit AfD ab
Die Hintergründe dieser Kontroverse reichen bis in die NS-Zeit zurück. Die jüdische Familie Simson wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft drangsaliert, verfolgt und 1936 zum Verkauf ihrer Fabrik in Suhl gezwungen. In diesem Werk wurden später, zu DDR-Zeiten, die berühmten Simson-Mopeds wie die Schwalbe und die S51 produziert.
Dennis Baum, Sprecher der heute in den USA lebenden Nachfahren, hatte zuvor klargestellt: "Wir empfinden jegliche Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Namens." Die Familie lehne extremistische Ideologien ab und wolle "die Inbesitznahme unseres Namens durch die AfD nicht hinnehmen".
Historische Tragödie und aktuelle Kontroverse
Baum betonte die historische Dimension: "Man habe eine große Tragödie erlebt, die vor allem durch Intoleranz gegenüber der jüdischen Bevölkerung geprägt gewesen sei." Vor diesem Hintergrund betrachte die Familie "die Benutzung unseres Namens durch die AfD als eine Verhöhnung unserer Geschichte".
Das Simson-Werk in Thüringen war ursprünglich von den Brüdern Moses und Loeb Simson gegründet worden und hatte sich zunächst als Waffenhersteller etabliert. Parallel entwickelte das Unternehmen Fahrzeuge, darunter den Rennwagen Simson Supra. Nach der erzwungenen Arisierung in der NS-Zeit wurde die Fabrik in der DDR zum Volkseigenen Betrieb und produzierte unter sowjetischer Militäradministration die später kultigen Mopeds.
Politische Instrumentalisierung einer Kultmarke
Die zu DDR-Zeiten in Suhl produzierten Simson-Mopeds genießen bei vielen Liebhabern Kultstatus - meist unabhängig von politischen Ansichten. Die AfD nutzte die Popularität der Fahrzeuge jedoch nicht nur im Wahlkampf, sondern auch für den Verkauf von Produkten in ihrem Fanshop auf Tiktok.
Dennis Baum machte die Position der Familie unmissverständlich klar: Der Name Simson dürfe unter keinen Umständen zum Symbol der AfD werden. Die Familie empfinde es als beleidigend, im Zusammenhang mit einer Partei genannt zu werden, die sie als "überwiegend extremistisch" betrachtet.
Diese Kontroverse zeigt, wie historisch belastete Symbole und Marken in der aktuellen politischen Auseinandersetzung instrumentalisiert werden können - und welche ethischen Grenzen dabei zu beachten sind.



