Zugegeben, der Mai-Beginn in Warnemünde war die Wucht. Die Sonne schien so intensiv wie im Sommer, die Ostsee glitzerte in einem Blau, das an das Mittelmeer erinnerte, und am Strand waren Tausende von Urlaubern. Ganz hingegeben an das Nichtstun. Manche in Badekleidung, andere nackt. Nicht immer ist der Anblick eine Freude. Wir leben eben nicht im Paradies, auch wenn wir es gerne hätten.
Geht es nur um Entspannung oder mehr?
Denn: Steckt hinter den meisten Urlaubs-Plänen nicht diese Sehnsucht nach dem Paradies? Nach dem ganz Anderen? Ich weiß: Es lässt sich auch ein paar Etagen simpler ausdrücken. Menschen reisen, um sich einfach mal ein bisschen zu erholen vom Arbeitsstress. Sie wollen ein bisschen entspannen, sie wollen abschalten, sie wollen regenerieren. Die Liste der verharmlosenden Wörter ist endlos.
Dennoch: nicht zufällig schwärmen Werbeagenturen seit Jahrzehnten vom „Urlaubsparadies“ x, y, z. Nicht zufällig zeigen Werbekataloge und Hotel-Websites Aufnahmen von Urlaubsorten, die dem Garten Eden (vorausgesetzt es gab ihn!) zum Verwechseln ähnlich sehen. Es geht um mehr, denke ich, als nur darum, ein bisschen abzuschalten.
Die Verbissenheit fällt auf
Es lässt sich auch nicht übersehen, wie verbissen diese Suche nach Entspannung zuweilen geschieht. Für viele Urlauber (nicht nur in Warnemünde!) muss es ein Hotel mit einem besonderen Komfort sein. Anders geht es nicht. Dann gehört zum Urlaub unbedingt der Konsum der neuesten Drinks und Food-Angebote. Und natürlich macht der ganze Urlaub nur Sinn, wenn auch ein paar spektakuläre Selfies, Souvenirs und sagenhafte Shopping-Erlebnisse (Kleidung etc.) dabei herauskommen. Ganz entspannt natürlich, aber doch so überzeugend, dass jeder glaubt, dass „man“ wenigstens für ein paar Tage oder drei Wochen im Paradies war.
Ich will mich hier nicht moralisch entrüsten. Ich erkenne diese Tendenzen auch bei mir. Es geht mir nur darum, das Phänomen an sich zu benennen. Das kann hilfreich sein. Vor allem, wenn die Urlaubseuphorie umschlägt in Ernüchterung.
Regen ist auch eine Realität
Immerhin hatten wir in Warnemünde im Mai auch schon ein paar Regentage. Kalt und grau. An solchen Tagen wirkt alles sehr melancholisch. Besonders die buntesten Angebote für Touristen. Als würde der Wettergott oder eine andere höhere Instanz uns darin erinnern wollen, dass auf dieser Welt eben nicht das Paradies zu finden ist. Auch nicht in Warnemünde.
Obwohl – das muss ich zugeben: Ein paar Paradies-Momente hatte ich hier auch schon. Wenn der Strand leer ist und die Sonne einfach so untergeht zum Beispiel.
Haben Sie ähnliche oder auch ganz andere Erlebnisse mit Rostock gemacht? Gibt es Orte, Menschen oder Geschichten, die man kennen sollte? Schreiben Sie mir gern: [email protected]



