Schule und Synagoge in Stavenhagen starten Bildungskooperation gegen Antisemitismus
Bildungskooperation gegen Antisemitismus in Stavenhagen

Bildungspartnerschaft gegen Antisemitismus in Mecklenburg-Vorpommern

In einer bedeutenden Initiative für historische Aufklärung und demokratische Bildung haben der Reuterstädter Schulcampus und der Verein „Alte Synagoge“ in Stavenhagen eine erneuerte Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Diese Partnerschaft zielt darauf ab, jüdische Geschichte und Kultur insbesondere bei Kindern und Jugendlichen bekannter zu machen und aktiv gegen aufkeimenden Antisemitismus vorzugehen.

Historische Aufarbeitung als Bildungsauftrag

Lutz Trautmann, Vorsitzender des Synagogenvereins und ehemaliger Schulleiter, betont die Dringlichkeit dieser Bildungsarbeit: „Ich selbst habe erst mit 40 Jahren von der Synagoge und der einst starken jüdischen Gemeinschaft in Stavenhagen erfahren. Diese Kenntnis müssen alle Stavenhagener haben – besonders die junge Generation.“ Die Kooperation knüpft an frühere Projekte an, die bereits 2011 mit israelischen Kindern begannen und 2017 erstmals vertraglich festgehalten wurden, während der Pandemie jedoch pausieren mussten.

Ein zentrales Anliegen ist die Erinnerung an die Deportation der letzten jüdischen Bürger Stavenhagens im Jahr 1942. Regelmäßig pflegen Schülerinnen und Schüler die Stolpersteine in der Stadt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. „Gerade in der heutigen Situation, in der Antisemitismus wieder erstarkt, ist diese Erinnerungsarbeit essenziell, damit Extremismus keine Chance hat“, erklärt Trautmann.

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Wanderausstellung als erster gemeinsamer Schritt

Den praktischen Auftakt der erneuerten Zusammenarbeit bildet die Wanderausstellung „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“, die im März in der alten Synagoge gezeigt wird. Neuntklässler des Schulcampus haben sich bereits intensiv mit der Exposition auseinandergesetzt, die Feste und Traditionen beider Religionen erklärt und ihre gemeinsamen Wurzeln sowie unterschiedlichen Zugänge darstellt.

Peter Ritter, Co-Vorsitzender des Synagogenvereins, berichtet: „Über das Zusammenleben und Miteinander der Glaubensrichtungen haben wir mit den Schülern gesprochen. Selbst für mich als Atheisten war dies eine wunderbare Bildungsveranstaltung.“ Die Ausstellung ist am 13. und 17. März jeweils von 17 bis 19 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich und präsentiert die Inhalte in kurzen, leicht verständlichen Texten – bewusst unideologisch und ohne moralischen Zeigefinger.

Synagoge als lebendiger Lernort

Schulleiter Torsten Richter hebt die gegenseitigen Vorteile der Kooperation hervor: „Der Verein bietet zahlreiche Angebote, von denen unsere Schüler profitieren können – und umgekehrt.“ Die Synagoge dient als außerschulischer Lernort, während Schülerinnen und Schüler bei Veranstaltungen unterstützen. Diese Zusammenarbeit ergänzt das bestehende Engagement des Schulcampus, der bereits mit dem Reutermuseum als Geschichtsstandort kooperiert und Demokratie-Erziehung fest im Schulprogramm verankert hat.

Zukunftsprojekte mit Virtual-Reality-Anwendung

Für die Zukunft sind ambitionierte Projekte geplant. Der Synagogenverein entwickelt eine Virtual-Reality-Anwendung, die Nutzer in historische Zusammenhänge eintauchen lässt. Mit einer VR-Brille soll die Entwicklung der Demokratie veranschaulicht werden, in der sowohl die jüdische Gemeinde als auch der Schriftsteller Fritz Reuter eine bedeutende Rolle spielten. Die inhaltliche Gestaltung dieser Anwendung soll gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden, wodurch die Jugendlichen aktiv an der Aufbereitung ihrer lokalen Geschichte mitwirken können.

Diese erneuerte Bildungskooperation zwischen Schule und Synagoge in Stavenhagen stellt somit einen wichtigen Beitrag zur historischen Bildung, zur Förderung demokratischen Denkens und zur Stärkung kultureller Vielfalt in der Region dar – gerade in Zeiten, in denen antisemitische Tendenzen wieder zunehmen.

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