Kleiderbörse Gadebusch: Annahmestopp bei Bekleidungsspenden verhängt
In der Kleiderbörse Gadebusch herrscht derzeit eine außergewöhnliche Situation: Erstmals in ihrer 21-jährigen Geschichte musste die Einrichtung einen vollständigen Annahmestopp für Bekleidungsspenden verhängen. Die Lagerkapazitäten sind komplett ausgelastet, wie Doreen Seligmann, die Leiterin der Kleiderbörse, erklärt. Dutzende Säcke voller Wäsche stapeln sich bis unter die Kellerdecke der Alten Molkerei, wo die Börse seit 13 Jahren untergebracht ist.
Gerüchte über Schließung werden entschieden dementiert
Obwohl am Eingangsbereich der Kleiderbörse deutlich auf den Annahmestopp hingewiesen wird, kursieren inzwischen besorgniserregende Gerüchte. Viele Kunden fragen sich, ob das soziale Hilfsprojekt möglicherweise komplett schließen muss. „Das stimmt nicht“, stellt Doreen Seligmann mit Nachdruck klar. Die Kleiderbörse bleibt für ihre Kunden uneingeschränkt geöffnet und bietet weiterhin günstige Bekleidung für Menschen mit schmalem Budget an.
Die Bedeutung dieses Angebots zeigt sich in den Besucherzahlen: Durchschnittlich 250 bis 400 Kunden besuchen die Kleiderbörse pro Monat, wobei die Zahl in letzter Zeit sogar gestiegen ist. Der Großteil kommt aus Gadebusch und Rehna, doch auch aus Schwerin, Wismar und Ratzeburg reisen Menschen an, um hier preiswerte Kleidung zu erwerben.
Preiswerte Mode für Menschen mit geringem Einkommen
Die Kleiderbörse Gadebusch bietet gebrauchte Bekleidung zu sozialverträglichen Preisen an:
- Hosen und T-Shirts ab jeweils drei Euro
- Kleider ab vier Euro
- Sommerjacken ab fünf Euro
- Kinderschuhe ebenfalls ab drei Euro
Die Öffnungszeiten bleiben unverändert: Montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr sowie freitags von 9 bis 13 Uhr. Damit bleibt ein wichtiges soziales Angebot für hunderte Menschen in der Region erhalten.
Historische Entwicklung und zukünftige Perspektiven
Die Gadebuscher Kleiderbörse wurde im Jahr 2005 von Lydia Schultz mit ihrem Team eröffnet. Ursprünglich befand sich die Einrichtung in einer Baracke in der Rehnaer Straße, bevor sie vor 13 Jahren in die Alten Molkerei umzog. Heute ist sie Teil eines umfassenden sozialen Netzwerks, das der Arbeitslosenverband Gadebusch betreibt. Neben der Kleiderbörse gehören dazu auch eine Möbelbörse und eine Fahrradwerkstatt.
Doreen Seligmann betont die besondere Bedeutung für Rentner: „Das betrifft insbesondere viele Rentner. Selbst wenn sie Rente bekommen, reicht das Geld oft nur knapp aus, um über den Monat zu kommen.“ Für diese Bevölkerungsgruppe stellt die Kleiderbörse eine unverzichtbare Unterstützung dar.
Wiederaufnahme der Spendenannahme ab Mitte Mai geplant
Voraussichtlich ab Mitte Mai will das Team der Kleiderbörse wieder Bekleidungsspenden entgegennehmen. Allerdings appelliert Doreen Seligmann an die Spender: „Bitte keine abgetragenen Sachen, die wir kostenpflichtig entsorgen müssen.“ Die Entsorgung solcher Textilien würde den Verein finanziell stark belasten und Geld binden, das an anderer Stelle dringend benötigt wird.
Derzeit arbeitet das Team intensiv daran, die vorhandenen Spenden zu sortieren und zu verarbeiten. „Wir kommen gar nicht hinterher, das abzuarbeiten. Deshalb haben wir erstmals überhaupt einen Annahmestopp verhängen müssen“, erklärt die Kleiderbörsen-Leiterin. Sie bittet gleichzeitig um Verständnis für diese notwendige Maßnahme, die letztlich der Aufrechterhaltung des gesamten Hilfsangebots dient.



