Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern zerstritten über Beurlaubung vor Ferien
In der schwarz-roten Koalition von Mecklenburg-Vorpommern ist ein neuer Konflikt entbrannt. Auslöser ist ein privater Urlaub der Justizministerin Jacqueline Bernhardt von der Partei Die Linke. Die Ministerin ließ ihren Sohn am letzten Schultag vor den Winterferien vom Unterricht befreien, um gemeinsam in den Familienurlaub zu starten. Diese Entscheidung stößt auf massive Kritik aus dem Bildungsministerium des norddeutschen Bundeslandes.
Bildungsministerium sieht Verstoß gegen Schulpflicht
Ein Sprecher des Bildungsministeriums in Schwerin äußerte sich gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk deutlich: „Der vorliegende Antrag, noch während der Schulzeit den Urlaub antreten zu können, hätte durch die Schule nicht genehmigt werden dürfen.“ Alle Eltern seien nach dem geltenden Schulgesetz verpflichtet, für die strikte Einhaltung der Schulpflicht Sorge zu tragen. Ein vorzeitiger Urlaubsantritt stelle weder einen wichtigen Grund noch einen anerkannten Härtefall dar.
In der Schulpflichtverordnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist dies klar geregelt. Paragraf 8 besagt ausdrücklich: „Vor und nach den Ferien darf eine Beurlaubung nur ausnahmsweise in den Fällen erteilt werden, in denen die Versagung eine persönliche Härte bedeuten würde.“ Das Ministerium betont, dass rein organisatorische Gründe wie vorgegebene Reisezeiträume hierfür nicht ausreichen.
Justizministerin verteidigt ihr Vorgehen
Justizministerin Jacqueline Bernhardt wehrt sich gegen die Vorwürfe. Ihr Ministerium teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Ministerin Bernhardt nimmt die Schulpflicht sehr ernst.“ Ein Sprecher erläuterte, die Ministerin habe ihr Kind lediglich ausnahmsweise am letzten Schultag vor den Ferien beurlauben lassen. Hintergrund seien organisatorische Gründe, da Bernhardt bereits im Februar ihren Familien-Jahresurlaub angetreten habe.
Der konkrete Reisezeitraum sei dabei vom Reiseveranstalter vorgegeben worden. „Der Antrag wurde der Schule des Sohnes vorgelegt und von der Schule genehmigt“, so der Sprecher weiter. Damit handele es sich um einen ordnungsgemäß genehmigten Vorgang, der im Einklang mit den schulischen Abläufen stehe.
Urlaubspläne durch WhatsApp-Foto öffentlich geworden
Bekannt wurden die frühen Ferienpläne der Ministerin durch ein privates Foto in ihrem WhatsApp-Profil. Der NDR berichtet, Bernhardt habe dort ein Bild gepostet und kommentiert: „Totaler Stillstand! Flüge fallen aus!“ Die Familie strandete aufgrund von Eisregen am Berliner Flughafen BER, was die geplante Reise erheblich verzögerte.
Dieser Zwischenfall unterstreicht die Diskussion um die Vereinbarkeit von politischen Ämtern und privaten Entscheidungen. Die Debatte zeigt, wie sensibel das Thema Schulpflicht in der Öffentlichkeit und innerhalb der Regierungskoalition behandelt wird.
Bundesweite Relevanz des Themas Schulpflicht
Der Fall in Mecklenburg-Vorpommern ist kein Einzelfall. In Nordrhein-Westfalen wurden beispielsweise mehr als 1000 Bußgeldbescheide verhängt, weil Eltern eigenmächtig die Ferien verlängerten. Dies verdeutlicht die bundesweite Bedeutung der Schulpflicht und die konsequente Handhabung durch die Behörden.
Die aktuelle Kontroverse in Schwerin wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie gehen politische Amtsträger mit ihren Vorbildfunktionen um? Und wo liegen die Grenzen zwischen privaten Bedürfnissen und öffentlichen Pflichten? Die Diskussion dürfte die Landesregierung noch weiter beschäftigen, zumal sie die Zusammenarbeit zwischen den Ministerien belasten könnte.



