Kaffeekunst auf Rädern: Wie ein Hobbyröster mit seiner Ape600 Vorpommern erobert
Bei diesem Café ist der Ausschank bereits ein echter Hingucker: In Lassan fährt Jubin Hadadi-Popp mit einer umgebauten Ape600 vor und bringt handverlesenen Kaffee nach Vorpommern. Der Hobbyröster tüftelt dabei kontinuierlich an regionalem Kaffee-Ersatz und hat mit seinem dreirädrigen Kultgefährt ein unverwechselbares Markenzeichen geschaffen.
Vom Barista zum Kaffeeröster mit Leidenschaft
Die Kaffeepassion begann für Jubin Hadadi-Popp mit der Handröstung als Barista. Heute verkauft er seine handgerösteten Produkte auf Märkten, in ausgewählten Läden und auf regionalen Höfen an seine stetig wachsende Kundschaft. „Ich mag die direkte Begegnung mit meinen Kunden“, erklärt der Kaffee-Kenner, der neben dem Rösten weiterhin als Barista arbeitet.
Vier bis sechs Events aus den Bereichen Kultur, regionaler Vernetzung und Tourismus plant der Kleinunternehmer jährlich in seinen Kalender ein. „Das ist das Maximum, wenn man einzeln unterwegs ist und mit meinem Gefährt“, berichtet er mit einem schmunzelnden Unterton.
Die Ape600: Vom Bierwagen zum Kaffeemobil
Das dreirädrige Kultgefährt stammt ursprünglich aus der Werkstatt seines Schwiegervaters, eines Iveco-Händlers aus Rostock, und fand 2024 den Weg zu Hadadi-Popp. Gedacht war die Ape600 zunächst als Bierwagen für den Betrieb, doch der Schwiegersohn konnte den Älteren überzeugen, das Fahrzeug zur 750-Jahr-Feier der Stadt Lassan an den Jungunternehmer zu verleihen.
Seitdem ist der einstige Scheunenfund das unverkennbare Markenzeichen des Kaffeerösters aus Lassan-Waschow. Die Ape600 wurde ihm regelrecht abgeschnackt und entwickelte sich zum mobilen Symbol seiner Kaffeekunst.
Iranische Wurzeln und neues Zuhause in Vorpommern
Die Geschichte des Rösters ist nicht nur eine von Kaffee, sondern auch von persönlichen Anfängen. 1984 im Iran geboren, kam Jubin Hadadi-Popp 1992 mit seiner Familie nach Deutschland. Der Neuanfang war geprägt von Erfahrungen aus einem systemkritischen familiären Hintergrund und tiefgreifenden Umbrüchen.
In Deutschland fand Hadadi-Popp früh seinen Weg, absolvierte Bundeswehr und Studium und lebt heute mit seiner Familie in Vorpommern. Der eloquente Kaffeekenner spricht in höchsten Tönen von seiner Frau, die ihm bei seinem zeitintensiven, nischigen Hobby von Anfang an den Rücken freihält.
Corona als Wendepunkt: Von der Großstadt ans Meer
Ein weiterer Anfang seiner Geschichte kennen viele in ähnlicher Form: Mit drei Kindern und seiner Frau lebte Hadadi-Popp zu Beginn der Corona-Pandemie in Bonn. Das Haus am Meer von Verwandten drohte leer zu stehen und wurde verfügbar. Mit dem Hobby Barista, dem sicheren IT-Job, der bereits lange remote von zu Hause aus bewältigt werden konnte, und der Entscheidung, etwas zu wagen, zog die Familie nach vielen städtischen Stationen in die ländlichere Region am Meer.
„Wir haben hier Platz – und Ruhe. Hier mag man Menschen, die nicht drumherum reden, die ehrlich sind. Und die anpacken“, beobachtet der Wahl-Lassaner. „Wir haben zwei, dreimal geholfen – und wurden herzlich aufgenommen. Bis heute sind wir aktiv im Heimatverein von Waschow.“
Die Wissenschaft des Kaffeeröstens
Der Hobby-Röster arbeitet aktuell an seiner dritten Charge. Jede Charge verbringt etwa 12 Minuten im Röster – je nach Bohne ein Vielfaches schonender als bei industriellen Röstvorgängen, die teilweise nur wenige Minuten dauern. Hadadi-Popp testet derzeit eine neue Bohne aus Peru und ist noch nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis.
„Kaffee machen ist eine Kunst“, sagt Jubin. Vor allem aber ist es ein stufenweiser Vorgang, der Zeit und Entwicklung benötigt und weit über das Rösten an sich hinausgeht. Es ist eine Wissenschaft für sich, dieses Hobby – und es zum Beruf zu machen, um genügend Chargen für einen kleinen, erlesenen Markt an Käufern vorzuproduzieren, stellt eine besondere Herausforderung dar.
Technologie trifft Handwerk
Hadadi-Popp wird dabei nicht nur von seinem Bideli-Röster unterstützt, der bis zu anderthalb Kilo je Durchgang bewältigen kann. „Wir haben den größten Röster geholt, der in den Kofferraum passte“, erinnert er sich schmunzelnd. Der Kaffee-Experte verfolgt beim Zubereiten der Bohnen im Röster immer auch eine Kurve auf seinem Laptop.
Ein Open-Source-Tool ermöglicht ihm dabei, den Röstvorgang fast zeitgleich als Graphen auszuwerfen und Verläufe zu protokollieren. „Sodass man Fehler nicht unbedingt zweimal machen muss“, erklärt Hadadi-Popp die praktische Anwendung der digitalen Überwachung.
Regionale Ersatzprodukte und Expansion
Neben dem koffeinhaltigen Getränk entwickelt der Lassaner Kaffeeröster aktuell einen Ersatzkaffee mit regionalen Zutaten. Aus Süßlupine, die ein Kleinbauer aus der Umgebung für ihn angebaut hat, und den beim Destillieren übrigen Kornelkirschkernen möchte er mit einer weiteren Zutat für die Sämigkeit und Struktur, die er noch sucht, ein regional produziertes Produkt als Kaffee-Ersatz herstellen.
Jubin Hadadi-Popp betreibt sein Hobby nebenberuflich, doch inzwischen gibt es seinen Kaffee nicht mehr nur im KulturKiosk Lassan. Er ist beispielsweise auch auf dem Hof Marquardt in Groß Ernsthof oder in der Freudenfeuer Destillerie in Libnow erhältlich. „Kaffee zu machen, ist eine Reise“, sagt der Familienvater. Am Ende dieser ist er noch nicht angelangt. Nur angekommen, das vielleicht ein bisschen: in Lassan, der kleinen Stadt am Peenestrom.



