Schweriner Traditionsgasthaus 'Zur guten Quelle' wechselt den Besitzer
Nach mehr als drei Jahrzehnten geht ein Kapitel Schweriner Gastronomiegeschichte zu Ende: Kerstin und Matthias Theiner haben ihr Gasthaus „Zur guten Quelle“ in der Schusterstraße verkauft. Die neuen Besitzerin ist seit dem 1. April 2026 Nicole Schladeck, Geschäftsführerin des nahegelegenen Weinhauses Wöhler. Damit bleibt das traditionsreiche Lokal erhalten, das seit Generationen ein fester Bestandteil der Schweriner Altstadt ist.
Abschied nach über 30 Jahren Wirtshaustradition
„Kannst du dir vorstellen? Ich werde im Sommer schon 64 Jahre und Matthias 65“, sagt Kerstin Theiner, während sie durch das Gasthaus geht, das nun nicht mehr ihnen gehört. Mehr als drei Jahrzehnte haben die beiden das Lokal bewirtschaftet – sie in der Küche, er im Service und an der Theke. Sieben Tage die Woche hatte die „Quelle“ geöffnet, ein Rhythmus, der keine Pausen zuließ. „Da kannst du nie abschalten“, erklärt Matthias Theiner, der vielen auch als Dehoga-Sprecher bekannt ist. „Irgendwas ist immer. Mal ist die Kaffeemaschine kaputt, mal einer krank.“
Die Geschichte der Theiners mit dem Gasthaus reicht noch weiter zurück: Matthias war noch ein Kind, als seine Eltern im Dezember 1969 das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1690 übernahmen und eröffneten. Damals war die „Quelle“ ein reines Bierlokal, in dem wöchentlich 1000 Liter Lübzer Pils über den Tresen gingen. Handballer von Post Schwerin und Fußballer von Dynamo feierten im Partykeller, während im Gastraum Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammenkamen.
Neue Inhaberin mit Herz für Traditionen
In genau dieses Fachwerkhaus, das auch in einem Bergstädtchen stehen könnte, hat sich Nicole Schladeck verliebt. „Ich liebe alte Häuser, aber ich habe nie darüber nachgedacht, selbst eins zu kaufen“, gesteht die neue Inhaberin. „Schon allein, weil es immer schwieriger in der Gastronomie wird. Aber dieses wunderschöne Haus und der liebevoll geführte Familienbetrieb – ich hatte einfach ein gutes Gefühl.“
Schladeck lenkt seit sieben Jahren die Geschäfte im Weinhaus Wöhler, das sich wie die „Quelle“ in der Nähe des Marktplatzes befindet. Die Entscheidung, das Gasthaus zu übernehmen, hat auch familiäre Wurzeln: „Für meinen Vater war das ein Glücksfall“, erzählt sie. „Er ist in Schwerin geboren und kann sich erinnern, wie er sich als Kind noch die Nase an den Fensterscheiben vom Weinhaus Wöhler platt gedrückt hat.“
Kontinuität statt radikaler Veränderungen
Die neue Besitzerin plant, fast alles so zu belassen, wie es ist. Warum ändern, was gut läuft? Sogar alle Mitarbeiter hat sie übernommen, darunter auch Philipp, der Sohn der Theiners, der weiterhin als Chefkoch in der Küche steht. „Philipp ist super, er hilft mir sehr“, sagt Nicole Schladeck. Auch die solide Hausmannskost mit Klassikern wie Sauerfleisch, Soljanka und dem berühmten Schweinesteak mit Würzfleisch bleibt auf der Speisekarte.
„Ich werde sogar schon auf der Straße von Gästen angesprochen“, berichtet die neue Chefin. „Die sagen dann, Frau Schladeck, das Würzfleisch muss unbedingt auf der Karte bleiben.“ Die Theiners haben ihr in den vergangenen Wochen alles erklärt, was für den Betrieb wichtig ist – von der Speisekartenstruktur bis zu den saisonalen Gerichten.
Neue Pläne für die frischgebackenen Rentner
Matthias und Kerstin Theiner stehen nun als glückliche Rentner vor ihrem ehemaligen Gasthaus. „Wir wollen viel auf Reisen gehen“, verrät Matthias Theiner. „Unser Traum war immer, mal nach Japan zu kommen. Das machen wir jetzt. Ansonsten werden wir uns um unsere Enkelkinder kümmern. Sie wohnen in derselben Straße wie wir.“
Über den Tischen im Gasthaus hingen jahrelang Postkarten aus aller Welt, die Gäste den Theiners geschickt hatten. Wenn der Stress überhandnahm, träumten sie sich in diese fernen Länder. Jetzt ist die Zeit gekommen, diese Träume zu verwirklichen, während die „Quelle“ unter neuer Führung weiterhin als Treffpunkt für Stammgäste und Urlauber in der Schweriner Altstadt dient.



