Seit eineinhalb Jahrzehnten ist Stefan Bell das Gesicht der Mainzer Defensive. Mit 34 Jahren könnte die aktuelle Sommervorbereitung seine letzte sein. Der gebürtige Andernacher, der inzwischen über 300 Pflichtspiele für Mainz 05 bestritten hat, zeigt sich jedoch nicht in Abschiedsstimmung. Stattdessen überrascht er mit einer unerwarteten Einschätzung: Heute fühle er sich fitter als in jungen Jahren. Bell führt dies auf eine angepasste Trainingssteuerung und ein besseres Körpergefühl zurück. Verletzungen, die früher wochenlang außer Gefecht gesetzt hätten, stecke er heute schneller weg. „Ich kenne meinen Körper einfach besser und weiß, wann ich kürzertreten muss“, so der Abwehrspieler.
Letzte Sommervorbereitung? Bell legt sich nicht fest
Ob es tatsächlich seine letzte Vorbereitung ist, lässt Bell offen. Entscheidend seien die Einsatzzeiten, die Freude am Fußball und die körperliche Verfassung. „Wenn ich spiele und Spaß habe, mache ich weiter. Sobald das nicht mehr der Fall ist, höre ich auf“, erklärt er. Die zurückliegende Saison, in der Mainz erneut im Abstiegskampf steckte, habe ihm gezeigt, dass er noch gebraucht wird. Seine Erfahrung in Drucksituationen ist für die Mannschaft immens wichtig. Bell selbst gibt zu, dass er in entscheidenden Phasen heute viel gelassener reagiert als noch vor fünf Jahren.
Gelassenheit als Trumpf im Abstiegskampf
Diese Gelassenheit sei ein Produkt der Routine. Wo jüngere Spieler nervös würden, behalte Bell einen kühlen Kopf. „Ich habe schon viele Abstiegskämpfe erlebt und weiß, worauf es ankommt: Ruhe bewahren, die Basics machen und die Mannschaft führen.“ Diese Führungsrolle nimmt er auch neben dem Platz ein. Für die aktuelle Mannschaft zeigt er sich optimistisch: Der Kader sei gut aufgestellt, die Chemie stimme. Besonders die Neuzugänge hätten sich schnell integriert. „Dieser Sommer fühlt sich echt gut an“, so Bell, der eine erfolgreiche Saison vorhersieht.
Bells Fitnessgeheimnis: Weniger ist mehr
Der Schlüssel zu seiner erstaunlichen Fitness liege in der Regeneration. Während er früher jeden Trainingsreiz mitgenommen habe, setze er heute auf Qualität statt Quantität. „Ich mache nicht mehr jede Einheit mit voller Intensität, sondern höre auf meinen Körper.“ Dieses Vorgehen sei mit dem Trainerteam abgestimmt. Auch die Ernährung habe er umgestellt, mehr auf Proteine und weniger auf Kohlenhydrate gesetzt. Das Ergebnis: schnellere Regeneration nach Spielen und weniger Muskelverletzungen. In der vergangenen Saison fehlte Bell nur wegen einer kleinen Blessur für zwei Spiele – eine außergewöhnliche Bilanz für einen 34-Jährigen.
Ausblick: Mainz 05 und die neue Saison
Die Mainzer haben in dieser Transferperiode gezielt nachgerüstet. Vor allem in der Offensive gibt es neue Optionen. Bell sieht den Kader breiter aufgestellt als in den Vorjahren, was im Kampf um den Klassenerhalt helfen soll. „Wir müssen nicht mehr jedes Spiel gewinnen, aber wir müssen konstant punkten.“ Die Vorbereitung läuft nach Plan, die Testspiele waren vielversprechend. Bell selbst geht mit einem guten Gefühl in die Saison: „Wenn alle fit bleiben, können wir eine ruhige Saison spielen.“ Seine persönliche Zukunft klammert er dabei bewusst aus. Erst einmal zählt der Start. Dass er noch einmal eine ganze Saison durchspielen kann, daran hat er keine Zweifel. Mit seiner Erfahrung und dem neu gewonnenen Körpergefühl sieht er sich gewappnet.



