Der Autozulieferer ZF hat nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete der Konzern aus Friedrichshafen einen Nettogewinn von 122 Millionen Euro, wie Finanzchef Michael Frick mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Verlust von 195 Millionen Euro zu Buche gestanden. Frick zeigte sich zuversichtlich, dass ZF das Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen abschließen werde.
Gewinnsprung dank Kostendisziplin und operativer Verbesserung
ZF-Vorstandsvorsitzender Mathias Miedreich führte den Gewinnsprung auf Kostendisziplin, eine bessere operative Leistung und die stärkere Konzentration auf profitable Produkte zurück. „Der Weg bleibt anspruchsvoll, doch jeder Schritt baut Altlasten ab und erweitert unseren Handlungsspielraum“, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf 19,3 Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen legte ZF jedoch leicht um 0,5 Prozent zu. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) stieg um 111 Millionen Euro auf 964 Millionen Euro.
Schuldenlast bleibt drückend
Die Schulden des zweitgrößten deutschen Autozulieferers blieben mit rund 9,8 Milliarden Euro hoch, lagen aber unter dem Wert von 10,5 Milliarden Euro aus dem ersten Halbjahr 2025. Die Reduzierung der Verbindlichkeiten ist eines der Hauptziele von Miedreich, der seit Oktober 2025 an der Spitze des Konzerns steht. Die Kredite wurden insbesondere für die Übernahmen des Bremsenspezialisten Wabco und des Zulieferers TRW aufgenommen. Anders als früher muss ZF nun jährlich Hunderte Millionen Euro Zinsen zahlen – Geld, das für Investitionen in zukünftige Produkte fehlt.
Schwache Autokonjunktur und E-Mobilitätswende belasten
Wie andere Zulieferer leidet ZF unter der aktuell niedrigen Fahrzeugproduktion und ausbleibenden Aufträgen der Autohersteller. Auch die hohen Kosten für den Wandel zur Elektromobilität belasten das Geschäft. ZF produziert neben Getrieben auch Lenksysteme, Antriebe, Bremsen, Sicherheitstechnik und Fahrwerkskomponenten. Die Sicherheitstechnik, insbesondere Airbags und Sicherheitsgurte, bleibt ein wichtiger Bereich. Die eigens ausgegliederte Tochtergesellschaft ZF Lifetec sollte ursprünglich verkauft werden, um die Schulden schneller abzubauen. Davon rückt das Management nun vorerst ab. „Wir haben nun entschieden, dass ZF Lifetec bis auf Weiteres vollständig im Besitz von ZF verbleiben wird“, sagte Finanzchef Frick. Es handle sich um ein erfolgreiches Geschäft, das Gewinn mache und weiter gesteigert werden könne.
Stellenabbau in Deutschland schreitet voran
ZF treibt mehrere Sparprogramme voran. Bis Ende 2028 sollen in Deutschland bis zu 14.000 Stellen gestrichen werden – das entspricht grob jedem vierten Job im Land. Zum 30. Juni 2026 beschäftigte der Konzern weltweit 149.675 Menschen, 3.478 oder rund zwei Prozent weniger als Ende 2025. In Deutschland sank die Mitarbeiterzahl um mehr als vier Prozent auf etwas mehr als 47.000. Ende 2023 hatte ZF noch gut 168.700 Beschäftigte weltweit, davon mehr als 54.400 in Deutschland. Der massive Stellenabbau wurde vor genau zwei Jahren angekündigt. ZF gehört zu 93,8 Prozent der Zeppelin-Stiftung, die vom Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen geführt wird. Für das laufende Jahr bestätigt der Konzern seine Prognose und rechnet weiter mit einem Umsatz von mehr als 38 Milliarden Euro.



