Die Abstimmung zur Regionalliga-Reform ist vorbei, doch die Deutungskämpfe zwischen den Verbänden und der Vereinsinitiative „Aufstiegsreform“ gehen weiter. Während die Regionalverbände am Montagabend nur die Ergebnisse aus den einzelnen Regionen veröffentlichten, zeigt das bundesweite Gesamtergebnis eine klare Mehrheit für das Kompassmodell. 95,6 Prozent der deutschen Vereine der 3. bis 5. Liga wünschen sich eine Veränderung, nur 4,4 Prozent wollen alles beim Alten lassen. Das Kompassmodell in der Version mit vier Staffeln à 20 Mannschaften erzielte mit 50,9 Prozent die absolute Mehrheit. Das Regionenmodell kam auf 23,3 Prozent, und 21,4 Prozent der Vereine wünschten sich einen Lösungsprozess für ein neues Modell.
Verbände blockieren trotz Mehrheit
Die vier Regionalverbände und die Regionalliga Südwest-GmbH teilten fast wortgleich mit, dass die Ergebnisse uneinheitlich seien und daher die Voraussetzung für eine Umsetzung zur Saison 2028/2029 nicht erfüllt sei. Diese Voraussetzung lautete, dass sich die Vereine aller fünf Regionen jeweils für ein und dasselbe Modell entscheiden müssten. Der Prozess der DFB-Arbeitsgruppe sei damit beendet. Allerdings ließen die Verbände in ihren Pressemitteilungen das bundesweite Gesamtergebnis unerwähnt.
Kritik an Machtspielen
Sportwissenschaftler Prof. Harald Lange von der Universität Würzburg übt scharfe Kritik: „Die Abstimmung war erstens der Versuch eines einigermaßen demokratischen Prozesses, um die Solidarität der Regionen untereinander zu testen. Zweitens war sie aber vor allem ein übles Machtspiel, das die Regionalverbandsbosse mit der DFB- und DFL-Spitze austragen. Aus diesem Grund liefen hier wieder Hinterzimmer-Spiele ab.“ Lange kritisiert zudem, dass die Option eines Lösungsprozesses für ein neues Modell überhaupt zur Wahl stand, obwohl die Regionalverbände in der DFB-Arbeitsgruppe beteiligt waren. „Das nenne ich Real-Satire“, erklärt er.
Forderung nach Paradigmenwechsel
Angesichts des frühen Ausscheidens der deutschen Nationalelf bei der WM gewinnt die Talentförderung an Bedeutung. Das Kompassmodell soll die Qualität des Profiunterbaus verdichten und so die Nachwuchsförderung stärken. Lange betont: „Es braucht einen vollständigen Paradigmenwechsel, kein Schmoren im eigenen Sumpf, sondern mehr Mut, um wirklich voranzukommen.“ Er fordert namhafte DFB- oder DFL-Funktionäre auf, sich klar zu positionieren: „Sie werden öffentlichen Rückhalt haben, aber Angriffe aus den eigenen Reihen aushalten müssen. Daran führt aber eigentlich kein Weg mehr vorbei, weil der Fan das sonst nicht mehr versteht.“
Wie geht es weiter?
DFB-Vize und Nordost-Boss Hermann Winkler (63) sagte im MDR: „Das kann nicht das Ende der Reformbemühungen sein. Die Vereine haben sich mit einer deutlichen Mehrheit für das Kompassmodell ausgesprochen – allerdings nur unter der Voraussetzung einer 20er-Staffel.“ Eine mögliche nächste Schritte wäre, dass der NOFV einen Antrag beim DFB-Vorstand einreicht und auf die Zustimmung von DFL sowie dem Westen und Norden hofft. Die Verbandspräsidenten dort hatten ihren Vereinen angekündigt, sich an das Votum ihrer Klubs zu halten. Und dieses Votum liegt nun vor.



