Rost: Werder wiederholt Nagelsmanns Torhüter-Fehler
Rost: Werder wiederholt Nagelsmanns Fehler

Werder Bremen hat mit der Verpflichtung von Österreichs Nummer eins Alexander Schlager für mächtig Wirbel gesorgt. Torwart-Legende Frank Rost übt nun deutliche Kritik an der Art und Weise, wie der Klub die Torhüter-Frage kommuniziert. Der 52-Jährige, der selbst 203 Pflichtspiele für Werder und den HSV absolvierte und mit Bremen Meister sowie zweimal Pokalsieger wurde, sieht gefährliche Parallelen zur unglücklichen Personalpolitik von Julian Nagelsmann beim DFB-Team.

Schlager-Wechsel sorgt für Verwunderung

„Mit großer Verwunderung habe ich die Verpflichtung von Österreichs Nr. 1 Alexander Schlager wahrgenommen“, erklärt Rost in seiner BILD-Kolumne „Klartext von Rost“. Der 30-jährige Schlager wechselte ablösefrei von RB Salzburg an die Weser. Für Rost ist klar: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Nationalkeeper nach Bremen wechselt, um dort hinter Karl Hein die zweite Geige zu spielen. Er ist immer noch im besten Torwart-Alter, da muss es eigentlich sein Anspruch sein, im Kasten zu stehen.“

Grundsätzlich begrüßt es der frühere Bundesliga-Torwart, dass Werder zwei ähnlich starke Torhüter im Kader hat. „Was mich jedoch ziemlich stört, ist die Kommunikation von Werder in dieser Sache“, betont Rost. Die Bremer hatten Hein zunächst als klare Nummer eins vorgestellt, diese Zusage dann aber öffentlich wieder einkassiert. Für Rost ist das ein schwerer Fehler: „Erst stellen sie Hein als klare Nr. 1 vor, dann kassieren sie öffentlich den unangefochtenen Status wieder ein. Das kann ich nicht verstehen und sorgt nur für Unruhe.“

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Nagelsmann als warnendes Beispiel

Rost verweist ausdrücklich auf die Torhüter-Debatte in der deutschen Nationalmannschaft. „Was durch diese unklare Kommunikation passieren kann, hat man beim DFB-Team unter Julian Nagelsmann gesehen“, so Rost. Nagelsmann hatte Oliver Baumann zur unumstrittenen Nummer eins ernannt – und sich dann öffentlich korrigiert, als Manuel Neuer plötzlich wieder zwischen den Pfosten stand. Die Folge: Beide Keeper fühlten sich verunsichert, die Diskussionen rissen nicht ab.

Für Rost gibt es deshalb nur einen Weg, wie Werder aus dem Schlamassel herauskommt: „Meine Meinung: Werder muss sich ÖFFENTLICH eindeutig zu Hein bekennen und ihm eine Garantie aussprechen, am 1. Spieltag im Tor zu stehen. Funktioniert es nicht, kann man immer noch wechseln. Aber dieses Vertrauen muss ein Torhüter spüren.“ Erst wenn die Torhüter-Frage geklärt sei, könne sich die Mannschaft auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren.

Transferpolitik: Fehlender Stürmer und Fragezeichen

Doch Rost sieht noch weitere Baustellen im Kader. „Darüber hinaus hat Werder viel größere Baustellen. Es fehlt immer noch ein Stürmer, der Tore garantiert“, mahnt er. Die bisherige Transferpolitik des Sommers betrachtet er mit Skepsis. „Klar, es ist gut, dass Werder schon einige Neue geholt hat. Inwiefern sie aber helfen können, bleibt abzuwarten.“ Insbesondere die Verpflichtung von Cedric Itten vom Absteiger bereitet Rost Bauchschmerzen: „Ich verstehe jedoch nicht, warum Werder Spieler wie Cedric Itten von Absteigern holt. Solch ein Negativ-Erlebnis ist häufig fest im Kopf verankert und kann nicht so leicht wieder gelöst werden.“

Rost fordert stattdessen mutigere Lösungen: „Ein, zwei Top-Verpflichtungen würden Werder daher richtig guttun. Aber klar, das Geld fehlt.“ In dieser Situation sei Weitsicht gefragt – und genau die vermisst er in Teilen der Kaderplanung.

Jugendarbeit als Zukunftsmodell

Als Ausweg aus der finanziellen Misere empfiehlt Rost eine intensive Förderung des eigenen Nachwuchses. „Mein Tipp: Früh in der Jugendarbeit die Talente mit guter Arbeit vom Werder-Weg zu überzeugen und so Werte zu schaffen, die eng mit der Vereinsgeschichte verbunden sind. Dadurch kann eine starke Identifikation mit dem Klub entstehen.“ Dass dieser Weg funktioniert, habe zuletzt der Verkauf von Mio Backhaus gezeigt. „Ihn für viele Millionen zu verkaufen, war unter den Umständen richtig“, lobt Rost den damaligen Transfer.

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Gleichzeitig warnt er eindringlich davor, auch noch einen weiteren Leistungsträger abzugeben: „Ich würde Werder hingegen dringend davon abraten, auch Jens Stage noch abzugeben. Geld-Not hin oder her. Er ist die Bremer Lebensversicherung und der torgefährlichste Spieler im Kader.“ Die Konsequenz sei klar: „Wenn Werder Stage verkauft und keinen gleichwertigen Ersatz bekommt, droht wieder eine Sorgen-Saison.“

Rosts Fazit fällt gemischt aus: Werder habe im Sommer schon einiges bewegt, aber in den entscheidenden Fragen – Torhüter-Kommunikation, Stürmer-Problem und die Zukunft von Stage – drohen die alten Fehler wiederholt zu werden. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Klub die Ratschläge beherzigt oder in die nächste Unruhe schlittert.