Tour de France: Stallorder bringt Red Bull in Bredouille – Lipowitz wartet
Stallorder bringt Red Bull in Tour-Bredouille

Florian Lipowitz musste warten, ob er wollte oder nicht. Statt den außerirdisch starken Tadej Pogacar zu jagen oder durch eine Attacke Rivalen abzuschütteln, gehorchte der deutsche Radstar brav der Ansage seiner Bosse und schaltete für den abgehängten Remco Evenepoel einen Gang runter. „Das war situationsbedingt“, erklärte Teamchef Ralph Denk im hauseigenen Podcast. Doch was der Manager des deutschen Rennstalls Red-Bull-Bora-hansgrohe durch die Blume sagte: Noch darf keiner der beiden Kapitäne einfach so losfahren, zumindest Lipowitz nicht. Wie lange gilt diese Entscheidung? Zumal nun sogar der Kampf um Platz zwei bei der Tour de France neu entbrannt ist.

Lipowitz und Evenepoel im internen Duell

„Die Beine und die Form passen“, sagte Lipowitz in der ARD und schob hinterher: „Mit Remco und mir Richtung Podium schaut es gut aus.“ Der für viel Geld verpflichtete Evenepoel, Doppel-Olympiasieger und Zeitfahr-Weltmeister, sprintete nach seinem Durchhänger auf Etappe zehn noch auf Rang zwei, Lipowitz folgte hinter Frankreichs Hoffnungsträger Paul Seixas als Vierter. „Ich habe gehört, dass Remco eine Lücke hat aufgehen lassen. Dann blieb für mich nichts anderes übrig, zu warten und zu hoffen, dass Remco wieder zurückkommt“, schilderte Lipowitz die Situation am letzten Anstieg: „Dann macht er den zweiten Platz, das freut mich natürlich wahnsinnig.“

Im teaminternen Duell um die Kapitänsrolle hat der Belgier nun die Nase vorn – zumindest den Zahlen nach. Vor den beiden Flachetappen am Mittwoch und Donnerstag belegt Evenepoel hinter dem designierten Tour-Sieger Pogacar und dessen schwächelnden Herausforderer Jonas Vingegaard, der in Le Lioran nur Siebter wurde, Platz drei. Der Rückstand auf den Dänen Vingegaard beträgt nur eine halbe Minute. Lipowitz liegt 38 Sekunden hinter seinem Teamkollegen auf Rang sechs.

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In den Bergen droht erneut Ärger

„Wir sind da, wo wir sein wollen, auch mit 'Lipo', der sehr gut in Form ist“, sagte Evenepoel: „Wir müssen so weitermachen.“ Die Stallorder könnte Red Bull allerdings noch in Not bringen. Am Wochenende stehen zwei schwere Bergetappen auf dem Programm. Die längeren Anstiege liegen Lipowitz besser, Evenepoel zeigte nicht zum ersten Mal Schwächen. „Natürlich kommen die richtig harten Etappen noch“, weiß auch der Deutsche.

Um sogar Vingegaard (Visma-Lease-a-Bike), der sich naturgemäß im Hochgebirge am wohlsten fühlt, unter Druck zu setzen und Platz zwei anzugreifen, benötigt Red Bull einen klaren Plan. Nach den Erkenntnissen zur Tour-Halbzeit scheint Lipowitz der stärkere Kandidat zu sein. Evenepoel, der seinen Teamkollegen wegen fehlender Hilfestellung bereits scharf kritisiert hat, würde sich wohl nur schwer mit der Helferrolle abfinden. Auch vom restlichen Team ist kaum Unterstützung zu erwarten. Am Dienstag fiel in Ex-Giro-Sieger Jai Hindley erneut früh der letzte Helfer weg, die Red-Bull-Doppelspitze war nicht zum ersten Mal isoliert.

Eine vielsagende Aussage kam aus der Chefetage. „Wir sprechen jetzt über Sekunden, in der dritten Woche wird es um Minuten gehen“, sagte Denk: „Da habe ich ein sehr gutes Bauchgefühl bezüglich Florian.“

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