Union Berlin in Österreich: Trainingslager soll Klarheit bringen
Union in Österreich: Trainingslager soll Klarheit bringen

In Aigen im Ennstal liegt klare Luft über den Hängen, der Himmel ist blau, das Panorama wirkt beinahe wie gemalt. In dieser Kulisse bezieht Fußball-Bundesligist Union Berlin für eine Woche sein Quartier. Das Trainingslager in der Steiermark strahlt Ruhe aus – doch die passt nur bedingt zur sportlichen Lage der Köpenicker, die in den vergangenen Wochen viele offene Fragen aufgeworfen hat. Vieles ist neu, vieles ist anders: Unter dem neuen Trainer Mauro Lustrinelli begann die Arbeit bei null, und auch die Hierarchie im Team ist in Bewegung. Aljoscha Kemlein trägt inzwischen häufiger die Spielführerbinde, die ihm Christopher Trimmel überreicht – ein Symbol des Umbruchs.

Die Mannschaft reiste ohne das Gefühl an, bereits weit zu sein. Seit sechs Testspielen wartet Union auf einen Sieg. Am Sonntag rettete sich das Team zumindest in ein spätes Unentschieden gegen den italienischen Erstligisten Cagliari Calcio – ein Ergebnis, das Zweifel daran nährt, ob die Formkurve rechtzeitig zum Saisonstart nach oben zeigt.

Späte Tore gegen Cagliari

Vor 8825 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei trennte sich Union von Cagliari mit 2:2. Nach einer torlosen ersten Halbzeit geriet die Mannschaft durch Tore von Yael Trepy kurz nach dem Seitenwechsel und Paul Mendy in der 67. Minute mit 0:2 in Rückstand. Über weite Strecken fiel Union offensiv wenig ein. Erst in der Schlussphase schlug die Stunde des eingewechselten Ilyas Ansah, der in der 85. Minute traf und in der Nachspielzeit erneut zum Ausgleich traf. Damit war das bislang anspruchsvollste Testspiel der Vorbereitung beendet – und es bestätigte, dass Union in seiner Entwicklung noch nicht an einem Punkt ist, an dem sich verlässlich sagen ließe, wohin die Reise in der kommenden Saison führt.

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Viele Tests, gemischte Bilanz

Die öffentlichen Einblicke in die Arbeit von Lustrinelli waren rar. In der vergangenen Woche trainierte das Team nur am Montag öffentlich; rund 50 Fans fanden sich auf dem Trainingsplatz neben dem Stadion ein. Alle weiteren Einheiten fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wer die Mannschaft beurteilen will, muss sich daher auf die Testspiele stützen – und die liefern ein wechselhaftes Bild.

  • 12:2 gegen Oberligist Optik Rathenow
  • 16:0 gegen Achtligist Grün-Weiß Lübben
  • 1:1 gegen Regionalligist Chemnitzer FC
  • 0:2 gegen Carl Zeiss Jena
  • 1:1 gegen Erstligist FC Winterthur
  • 1:2 gegen Zweitligist FC Aarau
  • 1:2 gegen Dynamo Dresden

Nach den beiden hohen Siegen zum Auftakt im Juli blieben weitere Erfolge aus. Die Niederlage gegen Dresden am Samstag war bereits die zweite in Folge; das Remis gegen Cagliari verlängerte die Serie ohne Sieg auf sechs Partien. In den jüngsten Begegnungen geriet Union jeweils in Rückstand und musste einem Ergebnis hinterherlaufen. Union bestreitet in dieser Vorbereitung ungewöhnlich viele Tests, und Lustrinelli probiert dabei vieles aus.

Rotationskurs von Lustrinelli

Ein Aspekt sticht hervor: Union zeigt unter Lustrinelli mehr Mut nach vorn und sucht häufiger den direkten Weg zum Tor. Das hatten viele Fans in der vergangenen Saison unter Steffen Baumgart vermisst. Doch ein mutiger Ansatz allein macht noch keine stabile Mannschaft. In Dresden tauschte der 50-jährige Schweizer nach 70 Minuten die komplette Feldmannschaft aus, nur Torwart Carl Klaus blieb auf dem Platz. Gegen Cagliari drehte er die Reihenfolge um: Diesmal starteten überwiegend jene Spieler, die in Dresden erst zum Schluss gekommen waren – bis Lustrinelli auch diesmal nach 70 Minuten alle Feldspieler wechselte. So sammelt jeder Akteur Spielminuten, feste Abläufe entstehen jedoch kaum.

Dazu kommen Verletzungen und Ausfälle, die den Kader seit Wochen begleiten. Auch personell könnte sich noch einiges tun. Nach der Niederlage in Dresden kündigte Lustrinelli an: „Ich bin zuversichtlich geboren. Es werden in den nächsten Wochen neue Verpflichtungen kommen.“ Der Trainer erlebte am Sonntag übrigens seine Premiere im Stadion An der Alten Försterei – seinem neuen sportlichen Zuhause.

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Trainingslager als Richtungsweiser

Genau deshalb kommt dem Trainingslager in Österreich besondere Bedeutung zu. Es geht nicht nur um Kondition und Automatismen, sondern auch um Tendenzen: Welche Spieler drängen sich auf? Welche Achsen bilden sich heraus? Welche Grundordnung wählt Lustrinelli, sobald es in der Liga um Punkte geht? Die Tage in den Bergen bieten Ruhe und Rhythmus zugleich. Die Bergkulisse befreit den Kopf. Die sportlichen Antworten aber muss Union selbst liefern. Die klare Luft und die Abgeschiedenheit von Aigen im Ennstal tun ihr Übriges, doch am Ende zählt, was auf dem Platz passiert.