Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gerät beim Thema Regionalliga-Reform immer stärker unter Druck. Nachdem sich bereits fast 80 Vereine der Initiative „Aufstiegsreform“ angeschlossen hatten und bundesweit Fanszenen protestieren, schalten sich nun auch die 20 Clubs der 3. Liga ein. Mit einer gemeinsamen Erklärung fordern sie vom Dachverband eine dauerhafte und faire Lösung für die Aufstiegsregelung aus der Regionalliga.
Gemeinsame Erklärung der Drittligisten
Im Rahmen der Managertagung am Dienstag und Mittwoch dieser Woche führten die Drittligisten – darunter Traditionsvereine wie Rot-Weiss Essen, Hansa Rostock, Fortuna Düsseldorf und der MSV Duisburg – eine Diskussion zum Stand der Reform. Anschließend veröffentlichten sie eine gemeinsame Stellungnahme. Darin stellen sie klar: Das Problem liege nicht auf der Ebene der 3. Liga. „Die 3. Liga hat sich in den vergangenen Jahren zu einem herausragenden Erfolgsmodell im deutschen Profifußball entwickelt“, heißt es wörtlich. „Sie genießt national wie international hohe Anerkennung und hat sich als wichtige Entwicklungsplattform für Talente etabliert. Mit ihrer sportlichen Qualität, ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und der hohen Attraktivität für Fans, Medien und Sponsoren zählt sie heute zu den stärksten Profiligen Europas.“
Geheimplan der Regionalverbände sorgt für Unmut
Hintergrund der Eskalation ist ein Bericht der BILD, wonach die Träger der Regionalligen eine Aufstockung der 3. Liga planen. Ziel sei es, zwar alle fünf Meister aufsteigen zu lassen, zugleich aber die eigene Viertliga-Staffel und die damit verbundene Macht zu behalten. Dieses Vorgehen gefährde das sogenannte viergleisige Kompassmodell, das als Lösungsvorschlag einer DFB-Arbeitsgruppe gilt. Offenbar wurde dieser Plan weder mit den Vereinsvertretern der 3. Liga noch mit dem Drittliga-Ausschuss im DFB abgestimmt. Die Drittligisten reagieren nun mit deutlichem Gegenwind.
3. Liga erinnert an eigenen Beitrag
In ihrer Erklärung weisen die Clubs darauf hin, dass sie bereits 2018 einen erheblichen Beitrag zum Reformprozess geleistet haben: die Einführung eines vierten Abstiegsplatzes. „Dieser Schritt bedeutete erhebliche sportliche Konsequenzen für die Drittligisten sowie eine erschwerte Planbarkeit und erfolgte in dem Vertrauen, dass im Gegenzug auf Ebene der Regionalligen eine tragfähige Reform umgesetzt wird“, so die Erklärung. „Eine entsprechende Gegenleistung ist jedoch bis heute ausgeblieben.“
Appell an DFB-Vize Peter Frymuth
Die Drittligisten richten ihre Forderungen insbesondere an die Präsidenten der Regionalverbände, vor allem an Peter Frymuth (69), der zugleich im DFB-Geschäftsverteilungsplan für Angelegenheiten der 3. Liga zuständig ist. „Das Ziel sollte dabei eine einheitliche, sportlich faire und dauerhaft tragfähige Aufstiegsregelung sein, die innerhalb der Regionalliga-Strukturen umgesetzt wird“, betonen die 20 Clubs. „Hier erwarten wir, dass über die beiden vorliegenden Modell-Vorschläge, die beide das Thema ‚Meister müssen aufsteigen‘ abbilden, final nach demokratischen Grundsätzen abgestimmt und das Ergebnis umgesetzt wird.“
Kompassmodell hat bereits Mehrheit
Die beiden diskutierten Modelle sind das Kompassmodell und das Regionenmodell. Beide waren aus einer DFB-Arbeitsgruppe hervorgegangen. Bei einer deutschlandweiten Abstimmung unter den Regionalliga-Vereinen erhielt das Kompassmodell eine knappe Mehrheit von 50,9 Prozent der Stimmen. In den Regionen West, Nord und Ost sprachen sich die Clubs dafür aus, zudem unterstützt die DFL das Modell. Das Regionenmodell kam nicht einmal auf die Hälfte der Stimmen und fand nur im Südwesten eine Mehrheit. In Bayern unterlag das Kompassmodell mit 45,2 Prozent knapp, die bayerischen Vereine favorisierten einen neuen Prozess, der jedoch als ausgeschlossen gilt.
Proteste in der Regionalliga Nordost
Besonders angespannt ist die Lage in der Regionalliga Nordost. Dort hatten der Meister Lok Leipzig zweimal in Folge keinen Aufstieg erhalten, was zu Spielerstreiks und massiven Fanprotesten führte. Die Ostclubs hatten frühzeitig akzeptiert, dass eine Lösung in der 4. Liga notwendig ist, und bundesweit Verbündete gesucht. Mit der Unterstützung der 3. Liga haben sie nun weiteren Rückenwind.



