Kimi Antonelli ist auf dem besten Weg, der jüngste Formel-1-Weltmeister der Geschichte zu werden. Der 19-jährige Italiener gewann am Sonntag den Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps und baute seine Führung in der Fahrerwertung aus. Mit sechs Siegen aus zehn Rennen in seinem zweiten Formel-1-Jahr zeigt er eine Dominanz, die selbst seinen eigenen Teamchef überrascht.
Lob vom Teamchef: „Einmal in jeder Generation“
„Es ist auch für uns überraschend, was für ein Sprung er gemacht hat“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Triumph in Belgien. „Die Einstellung ist einfach unglaublich. Es gibt kein Beschweren, es gibt kein Nörgeln.“ Wolff verglich sein Supertalent mit den Größten der Sportart: „Einen wie ihn gibt es höchstens einmal in jeder Generation.“
Antonelli selbst bleibt trotz des Vorsprungs vorsichtig. „Die letzten Rennen haben gezeigt, wie schnell etwas schieflaufen kann, daher will ich derzeit überhaupt nicht an den Titel denken“, sagte der Teenager. Vor dem Sieg in Belgien hatte er mehrfach Technik-Probleme, die noch mehr Punkte verhinderten. Sein Vorsprung auf Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari beträgt 45 Zähler, Teamkollege George Russell liegt nach einem bitteren Ausfall 50 Punkte zurück.
Vettel-Rekord in Gefahr
Der jüngste Weltmeister aller Zeiten ist bislang Sebastian Vettel mit 23 Jahren und 134 Tagen. Antonelli wird im August gerade mal 20 Jahre alt – er könnte Vettels Rekord also deutlich unterbieten. Der Italiener wäre zudem der erste italienische Formel-1-Weltmeister seit Alberto Ascari im Jahr 1953.
Doch die Konkurrenz schläft nicht. Ferrari zeigte zuletzt aufsteigende Form: Charles Leclerc gewann in Silverstone und wurde in Belgien Zweiter. „Ich habe einen Schritt nach vorn gemacht, aber ich bin nicht auf dem Level, auf dem ich sein will“, sagte der Monegasse. Teamkollege Hamilton betonte: „Wir verbessern das Auto ständig, und wir haben weitere Verbesserungen in der Pipeline.“ Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur gab sich kämpferisch: „Kimi ist schneller als wir. Man kann mit dem zweiten Platz nicht zufrieden sein.“
Neue Herausforderungen durch Regel-Revolution
Die neue Regel-Revolution stellt die Fahrer vor besondere Herausforderungen. Das Energie-Management zwingt sie, nicht mehr konstant mit Vollgas zu fahren, da dem Auto sonst der Saft fehlt. Antonelli geht mit dieser Hürde am besten um, während andere Fahrer wie Max Verstappen oder Lando Norris Kritik äußerten. „Ich würde mich sehr über ein Motoren-Upgrade freuen, aber das liegt nicht in meiner Hand“, sagte Verstappen, der in Belgien Dritter wurde und in der Gesamtwertung 113 Punkte Rückstand hat.
Die italienische Presse feierte Antonelli überschwänglich. „Antonellis Meisterwerk!“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“: „Kimi dominiert und baut seinen Vorsprung in der Weltmeisterschaft aus.“
Mercedes-Teamchef warnt: „Das Auto muss halten“
Trotz der Erfolge gibt es auch Probleme bei Mercedes. Das zweite Auto mit George Russell kann nicht Schritt halten. „Ich bin mittlerweile etwas abgestumpft, was die Enttäuschungen in den diesjährigen Rennen angeht“, sagte der Brite. Nach einer Kollision mit Hamilton war in Belgien schon in der ersten Runde Schluss. Zwar führt Mercedes die Konstrukteurs-WM an, doch ohne Defekte und technische Schwierigkeiten wäre das Bild noch klarer.
„Wir haben einen Motor, der unheimlich stark ist, ein Auto, das schnell ist, aber das Auto ist nicht stabil genug. So verlieren wir wertvolle Punkte“, sagte Teamchef Wolff. Er richtete klare Worte an Russell: „Wir müssen versuchen, das beste Material zur Verfügung zu stellen. Das Auto muss halten, damit er wieder Selbstvertrauen bekommt.“
Vierkampf in Budapest erwartet
Antonelli bleibt trotz des Vorsprungs wachsam: „Ich bleibe auf der Hut – mit diesen Autos kann so viel Unvorhersehbares passieren. Ich will nicht weit vorausdenken.“ In Budapest erwartet er einen Vierkampf der Topteams Mercedes, Ferrari, Red Bull und McLaren. Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies zeigte sich beeindruckt: „Es ist noch ein weiter Weg bis zum ersten Platz, aber wir bewegen uns zumindest in die richtige Richtung.“ Über Antonelli sagte er: „Er war in seiner eigenen Liga.“



