Laura Müller: Pionierin an der Boxenmauer
Laura Müller ist die einzige Renningenieurin in der Formel 1. Vor dem Grand Prix von Großbritannien in Silverstone gab die Deutsche der Deutschen Presse-Agentur ein seltenes Interview. Die 32-Jährige arbeitet seit 2022 für das Haas-Team und ist seit der vergangenen Saison die erste Vertrauensperson von Pilot Esteban Ocon.
Kommunikation mit dem Fahrer: Klarheit statt Emotionen
Auf die Frage nach Kommunikationsregeln mit ihrem Fahrer antwortete Müller: „In einer Session halte ich mich kurz und formuliere prägnant. Esteban ist nicht besonders gut im Zwischen-den-Zeilen-Lesen. Das heißt, man muss immer sehr klar und eindeutig sein.“ Sie betonte, dass sie bei Wut des Fahrers versuche, das Gefühl nicht zu verstärken: „Für mich ist das Schlimmste, jemanden aufzustacheln, der sowieso schon wütend ist.“
Umgang mit schwierigen Botschaften
Besonders unangenehm sei es, dem Fahrer mitteilen zu müssen, dass er das Auto wegen eines Defekts abstellen soll, wenn er in den Punkterängen liegt. „Das ist nicht geil“, so Müller. Noch schlimmer sei es, wenn der Fahrer eine gute Runde gefahren sei, aber nur auf Platz 18 liege. „Generell hasse ich es natürlich, Esteban im Qualifying zu sagen, dass Olli (Bearman) deutlich schneller war.“
Stressbewältigung und „Resting Bitch Face“
Müller beschrieb ihre Art der Anspannung: „In Form des Resting Bitch Face. Eine meiner Stärken ist, dass man mir die Anspannung nicht unbedingt anmerkt. Umso stressiger es wird, umso ruhiger werde ich nach außen.“ Bei einem Qualifying, in dem es um alles geht, spüre man jedoch den Herzschlag in den ersten Minuten.
Vorbild und Kindheit
Müller wuchs in der Nähe von Konstanz am Bodensee in einem kleinen Dorf auf. „Das Dorfleben fand ich immer schrecklich als Kind, weil der Bus nur jede Stunde fuhr“, erinnerte sie sich. Mit 19 zog sie nach München, was für sie „das absolute Highlight“ war. Ihr Traum, Rennfahrerin zu werden, scheiterte am fehlenden Background und Geld. „Ich glaube, dass es mit einem Vorbild realistischer gewesen wäre“, sagte sie. Heute ist sie selbst ein Vorbild: In Australien wurde sogar eine Kurve nach ihr und Red-Bull-Strategin Hannah Schmitz benannt.
Lob vom Teamchef
Haas-Teamchef Ayao Komatsu lobte Müllers Arbeitsmoral: „Was sie wirklich gut kann: Wenn sie auf ein Problem stößt, geht sie der Sache auf den Grund und gibt sich nicht mit der erstbesten Antwort zufrieden. Sie weiß, dass es noch zehn weitere Aspekte gibt und dass nun neue Fragen zu klären sind.“



