WM-Finale: Argentinien schlägt England mit politischem Banner
Argentinien schlägt England mit politischem Banner

Das WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England war mehr als nur ein Fußballspiel. Nach dem Schlusspfiff zeigten die argentinischen Spieler ein Banner mit der Aufschrift „Die Malvinas sind argentinisch“ – ein Verweis auf den Falkland-Krieg von 1982. Das Banner war bereits während der Partie auf den Rängen zu sehen. Die FIFA dürfte eine Strafe verhängen, doch zunächst stand der sportliche Erfolg im Vordergrund.

Späte Wende zum 2:1-Sieg

Argentinien lag bis zur 85. Minute durch ein Tor von Anthony Gordon zurück, ehe Enzo Fernandez und Lautaro Martinez die Partie drehten. Trainer Lionel Scaloni suchte nach Worten: „Episch? Historisch? Wie sollen wir es nennen? Es gibt nichts Vergleichbares. Die Jungs hatten keine Angst, sie fühlten die Last der Verantwortung nicht.“

Lionel Messi, der beide Treffer vorbereitete, war erneut der entscheidende Faktor. Scaloni erklärte: „Messi in den letzten 20 Minuten – da konnte er machen, was er wollte.“ Der Trainer verriet das Erfolgsgeheimnis: „Sie spielen wie Achtjährige. Sie denken nicht daran, ob sie vorbeischießen oder in das Finale kommen. Sie wollen nur Fußball spielen.“

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Argentinien als Comeback-König

Der Titelverteidiger hatte bereits im Sechzehntelfinale gegen Kap Verde (3:2) und im Achtelfinale gegen Ägypten (0:2-Rückstand bis zur 79. Minute, Sieg in der Nachspielzeit) ähnliche Dramen erlebt. Im Viertelfinale gegen die Schweiz ging es in die Verlängerung. Scaloni sagte: „Dieses Team spielt am besten in schwierigen Situationen.“

Englands Trainer Thomas Tuchel pflichtete bei: „Sie spielen am besten, wenn sie in Rückstand sind. Dann gehen sie mehr Risiko. Sie hatten nichts mehr zu verlieren und investierten mehr.“ Neben Messi seien die Fans ein enormer Faktor gewesen: In Atlanta übertönten argentinische Pfiffe die englische Hymne. „Es hat sich angefühlt wie ein Auswärtsspiel“, so Tuchel.

Politik und Emotionen

Der Falkland-Krieg von 1982 spielte eine zusätzlich motivierende Rolle. Mittelfeldstratege Leandro Paredes erklärte: „Wir haben versucht, unser Land und all jene zu repräsentieren, die diesen traurigen Moment unserer Geschichte erlebt haben, damit sie sich mit uns identifizieren können und wir ein positives Bild vermitteln.“ Argentinien und Großbritannien hatten damals mehr als 70 Tage Krieg geführt, bei dem rund 1000 Soldaten starben. Die Inseln sind seit 1833 britisches Überseegebiet.

Messi selbst zeigte sich überwältigt: „Es ist verrückt, was wir gerade erleben und wie sich die Dinge entwickeln. Vielleicht hatten die Leute Zweifel, weil wir mit Spielern an der Leistungsgrenze und mit Problemen hierhergekommen sind. Aber wenn diese Mannschaft zusammenhält, geht sie immer noch einen Schritt mehr und das überträgt sich auf alle.“

Finale gegen Spanien

Im Endspiel gegen Spanien muss Argentinien nun einen anderen Faktor finden. Scaloni betonte: „Ich möchte hier als Weltmeister abreisen. Fußball ist manchmal mehr als Taktik.“

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