Die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft bereitet den Berliner Gastronomen Kopfzerbrechen. Insbesondere die späten Anstoßzeiten vieler Spiele könnten Kneipen, Bars und Biergärten erheblich zusetzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht zwar davon aus, dass die WM der Gastronomie zusätzliche Umsätze bringt, doch der Effekt werde im Vergleich zu früheren Turnieren deutlich geringer ausfallen.
Dehoga teilt die Bedenken
Gerrit Buchhorn, Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotellerie- und Gastronomieverbandes Dehoga, schließt sich dieser Einschätzung an. „Die späten Anstoßzeiten sind eine große Herausforderung. Viele Gäste werden nicht bis Mitternacht bleiben, wenn die Spiele erst um 21 Uhr oder später beginnen“, sagt Buchhorn. Zudem fürchte man eine allgemein schlechte Stimmung in der Bevölkerung, die sich negativ auf die Besucherzahlen auswirken könnte.
Public Viewing leidet unter späten Spielen
Besonders betroffen sind die Public-Viewing-Angebote in der Stadt. Viele Wirte haben in den vergangenen Jahren in große Bildschirme und entsprechende Technik investiert. Doch wenn die Spiele erst spät abends stattfinden, sinkt die Bereitschaft der Menschen, lange auszugehen. „Die Leute müssen am nächsten Tag arbeiten oder zur Schule gehen. Da ist die Lust auf ein Public Viewing um 23 Uhr eher gering“, ergänzt Buchhorn.
Hinzu kommt die Angst vor Regen. Der Sommer in Berlin ist unberechenbar, und viele Biergärten sind nicht überdacht. Ein plötzlicher Regenschauer könnte die Stimmung und die Umsätze schnell verderben. Die Wirte hoffen daher auf gutes Wetter, um zumindest einen Teil der Verluste auszugleichen.
Umsatzpotenzial wird nicht ausgeschöpft
Das IW rechnet damit, dass die Gastronomie während der WM insgesamt rund 500 Millionen Euro zusätzlich einnehmen könnte. Doch durch die späten Anstoßzeiten werde dieser Betrag wohl deutlich niedriger ausfallen. „Die WM findet in Katar statt, was zu ungewohnten Zeiten führt. Das ist für die deutsche Gastronomie eine echte Belastungsprobe“, so ein Sprecher des Instituts.
Viele Wirte in Berlin planen daher spezielle Angebote, um die Gäste trotzdem anzulocken. Happy-Hour-Aktionen, WM-Specials und verlängerte Öffnungszeiten sind einige der Ideen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, bleibt abzuwarten. Die Stimmung in der Branche ist jedenfalls gedämpft.



