Bundesliga-Sommer: Achensee statt Amerika – Top-Klubs mahnen zu mehr Fernreisen
Bundesliga: Achensee statt Amerika – Kritik an Reise-Mangel

Während die meisten Bundesligisten ihre Sommervorbereitung in idyllischen Alpenregionen wie Schladming, Schruns oder am Achensee verbringen, kritisieren die drei finanzstärksten Vereine – FC Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig – die mangelnde Reiselust der Konkurrenz. Sie sehen darin eine verpasste Chance für die internationale Vermarktung der Liga.

Top-Klubs ziehen in die Ferne

Der FC Bayern tourt aktuell durch Asien, mit Stationen in Südkorea und Hongkong. Dortmund war in Japan, und Leipzig reiste direkt nach Saisonende nach Südafrika. Diese Fernreisen sind für die Branchengrößen ein strategisches Instrument, um die Marke Bundesliga weltweit zu stärken. Bayerns Marketing-Vorstand Rouven Kasper betonte: „Das ist viel zu wenig. Die Bundesligisten müssen weitsichtiger denken. Die Engländer gehen raus in die Welt – das heißt auch für die deutschen Clubs, dass sie aktiv sein müssen.“

Doch die Mehrheit der Vereine bleibt lieber in der Nähe. In Blankenhain, Seefeld oder nahe Kitzbühel wird trainiert, Golf gespielt oder Rad gefahren – unter optimalen Bedingungen, aber ohne internationale Strahlkraft. Der WM-Sommer 2026 macht den Trend deutlich: Nur die Top-Klubs wagen den Schritt in die Ferne.

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Kritik an zu wenig Engagement

Dortmunds Geschäftsführer Carsten Cramer äußerte gegenüber der „WAZ“: „Wir sollten uns bewusst machen, welche Chancen in der Auslandsvermarktung liegen - und nicht immer gleich über ein mögliches Risiko sprechen. Dass nach der WM wieder nur die Bayern und wir auf Reisen gehen, finde ich schade.“ Er verwies darauf, dass der BVB mit solchen Reisen auch Geld verdiene – ein Zeichen von Stärke, das kleineren Clubs oft fehle.

Bayern-Präsident Herbert Hainer wünscht sich mehr Engagement: „Und deshalb würde ich mir wünschen, dass mehr Vereine aus Deutschland die Chance nutzen, ins Ausland zu gehen - nach Asien, nach Amerika, nach Afrika oder wo auch immer.“ Die Top-Klubs zeigen, wie es trotz vollen Terminplans funktionieren kann.

Kosten und Infrastruktur als Hürden

Für viele Clubs unterhalb der Champions League sind die Kosten ein entscheidender Faktor. Eine Reise nach Österreich oder Südtirol ist deutlich günstiger als ein Trip um die halbe Welt. Zudem bieten die heimischen Trainingslager hervorragende Bedingungen. Bayer Leverkusen etwa wählte in diesem Sommer nach einer Brasilien-Reise im Vorjahr das Weimarer Land. Sportchef Simon Rolfes erklärte: „Die hauseigenen Trainingsanlagen genügen internationalen Ansprüchen, die Regenerationsmöglichkeiten für unsere Spieler sind dank der hervorragenden Infrastruktur vor Ort perfekt.“

Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen kritisierte die Diskrepanz zwischen internationalen Reisen und der Verteilung der Fernsehgelder: „Es kann nicht sein, dass in diesem Jahr Leipzig direkt nach der Saison und jetzt aktuell Dortmund und wir international unterwegs sind. Und dann haben wir gleichzeitig alle drei, vier Jahre das Getöse und Getöne um die Verteilung der internationalen Fernsehgelder. Das ist abstrus.“

Auch Frankfurt und Paderborn als Beispiele

Eintracht Frankfurt reiste nach dem Verpassen des europäischen Wettbewerbs und dem Trainerwechsel nicht mehr in die USA, sondern nach Grassau am Chiemsee. In den Jahren 2024 und 2025 waren die Hessen noch in den Staaten unterwegs gewesen. Aufsteiger SC Paderborn plant dagegen für September eine Reise in die USA. Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann hatte vor einem Jahr gefordert: „Grundsätzlich: Die Bundesliga muss mehr reisen. Auch wenn sich das in den Kalendern schwer abbildet: Es muss einen Beitrag für die Wertschöpfung in der Bundesliga geben.“

Doch in diesem Sommer haben wieder einmal hauptsächlich Bayern und Dortmund diesen Beitrag geleistet. Die Debatte zeigt: Die Bundesliga steht vor der Herausforderung, internationale Präsenz und wirtschaftliche Vernunft in Einklang zu bringen.

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