Bundesliga kämpft um ihre Stars: Strukturwandel im Frauenfußball
Bundesliga kämpft um ihre Stars im Frauenfußball

Gut ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Brasilien gibt es im deutschen Frauenfußball zwei gegensätzliche Entwicklungen. Einerseits präsentiert sich die Nationalmannschaft unter Bundestrainer Christian Wück wieder gefestigt, hat klare Spielideen und gilt als einer der Titelfavoriten für 2027. Andererseits steigt die internationale Nachfrage nach deutschen Spielerinnen, sodass die Bundesliga mitten im eigenen Strukturwandel mehr denn je um ihre Stars kämpfen muss – und damit um ihre Attraktivität.

Wück sieht Vor- und Nachteile

Bundestrainer Christian Wück betrachtet die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Für die individuelle Entwicklung seiner Nationalspielerinnen seien Stationen im Ausland definitiv förderlich. Gleichzeitig betont er: „Der Standort Deutschland sollte in der Lage sein, seine besten Spielerinnen in der Liga zu halten.“

Immer mehr Abgänge ins Ausland

Aus dem aktuellen DFB-Aufgebot für die WM-Qualifikationsspiele gegen Norwegen und Slowenien verdienen bereits neun Spielerinnen ihr Geld im Ausland – und weitere könnten zeitnah folgen. Hoffenheims Selina Cerci wechselt sicher, sehr wahrscheinlich zum FC Arsenal. Frankfurts Nicole Anyomi wird mit Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht, ihre Vereinskollegin Elisa Senß mit Real Madrid. Bereits fix ist der Abgang der Wolfsburgerin Vivien Endemann zum FC Liverpool.

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Englische Women's Super League lockt mit höheren Gehältern

Vor allem die englische Women's Super League zieht mit höheren Gehältern und besseren Bedingungen. Dort investieren die großen Männervereine massiv in ihre Frauenabteilungen. Ex-Bayern-Stürmerin Lea Schüller, seit einem halben Jahr bei Manchester United, schwärmte nach ihren ersten Wochen: „Mehr Athletiktrainer, mehr Physios, eine Ernährungsberaterin, die wirklich jeden Tag da ist.“ Dazu kämen drei verschiedene Trainingsplätze nur für die Frauen.

Bundesliga wartet seit 2015 auf Europapokal-Titel

Es gibt Gründe, warum die Bundesliga seit 2015 auf einen Titel im Europapokal wartet. Der Frauenfußball habe sich Gott sei Dank nicht nur in Deutschland entwickelt, sondern auch europaweit, sagte DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich. „Es gibt eine viel, viel größere Konkurrenz.“ Für die Spielerinnen eröffne sich dadurch ein größerer Markt der Möglichkeiten. Die Entwicklung gleiche zunehmend den Mechanismen des Männerfußballs.

Bundesliga löst sich vom DFB

Wie die Bundesliga in diesem veränderten Umfeld bestehen will, ist seit Sonntag bekannt – ohne den DFB nämlich. Die Dachorganisation, die künftig noch stärker die Breite bedienen will, hat sich mit dem seit Dezember bestehenden Ligaverband FBL auf einen Grundlagenvertrag geeinigt, der in einem weiteren Schritt die Ausgliederung der höchsten Spielklasse vorsieht.

Ausgliederung ab Juli 2027 unter FBL-Flagge

Nach einem Weg voller Wendungen, der auf beiden Seiten viel Frust erzeugte, steht fest: Ab dem 1. Juli 2027 soll die Liga offiziell unter FBL-Flagge laufen. Angelehnt ist das Modell an jenes der Männer-Bundesliga, die seit über 20 Jahren von der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisiert und vermarktet wird.

FBL-Präsidentin Kiel spricht von historischem Schritt

Zwar sollte ursprünglich alles früher kommen und unter DFB-Beteiligung, doch nun klingen beide Seiten versöhnlich. FBL-Präsidentin Katharina Kiel nannte die Einigung einen historischen Schritt für den professionellen Frauenfußball. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sprach von einem tragfähigen Kompromiss.

Hoffnung auf kräftiges Wachstum

Die Ausgliederung soll für kräftiges Wachstum in der Liga sorgen. Spätestens im Herbst, wenn die FBL auf einen lukrativen TV-Deal hofft, dürfte klarer werden, ob der Plan aufgeht. Seit der Saison 2023/2024 fließen jährlich 5,17 Millionen Euro an TV-Einnahmen. Als der DFB die Summe 2022 verkündete, galt der Vertrag als Quantensprung. Angesichts der Investitionen in England, Spanien oder Frankreich wirkt das inzwischen eher bescheiden.

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