Die Bundesliga verliert immer mehr Top-Talente an ausländische Vereine. In den vergangenen Wochen haben mehrere namhafte Fußballerinnen die deutsche Liga verlassen, darunter die deutschen Nationalspielerinnen Elisa Senß (zu Real Madrid), Nicole Anyomi (London City Lionesses), Vivien Endemann (FC Liverpool) und Selina Cerci (FC Arsenal). Auch die englische Nationalspielerin Georgia Stanway wechselte vom FC Bayern zum FC Arsenal, die Schweizerin Géraldine Reuteler verließ Eintracht Frankfurt in Richtung England, und Starstürmerin Lineth Beerensteyn kehrte dem VfL Wolfsburg den Rücken, um sich Real Madrid anzuschließen.
Rekordtransfer: Lisa Baum wechselt für 600.000 Euro zu Arsenal
Besonders bemerkenswert ist der Transfer von Lisa Baum. Die 19-jährige Flügelstürmerin, die beim Hamburger SV ausgebildet wurde, wechselte nach nur einem Jahr bei RB Leipzig zum FC Arsenal. Der englische Klub zahlte eine Ablöse von 600.000 Euro – ein neuer Rekord für die Bundesliga. „Die englische Liga ist unglaublich konkurrenzstark und Arsenal ein großer Verein. Ich freue mich darauf, mich dieser Herausforderung zu stellen und mich mit den Besten zu messen“, sagte Baum. Trotz ihres jungen Alters hat sie bereits fünf Einsätze in der deutschen U23-Nationalmannschaft absolviert; ein Debüt in der A-Nationalmannschaft gilt als nur eine Frage der Zeit.
Standortnachteil: Bundesliga hinkt hinterher
Die Abgänge sind kein Zufall, sondern ein Symptom für strukturelle Nachteile der Bundesliga im internationalen Vergleich. Während die Liga durch neue Zuschauerrekorde und die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga (FBL) in dieser Saison Fortschritte macht, kommt diese Professionalisierung für viele Spielerinnen zu spät. Die Entscheidung, die Liga aus dem Deutschen Fußball-Verband auszugliedern, wurde in England und den USA bereits vor Jahren getroffen. In Deutschland erfolgt nun zwar der richtige Schritt, doch die sportliche Weiterentwicklung und Vermarktung müssen zügig vorangetrieben werden, um mit der US-amerikanischen National Women’s Soccer League, der englischen Women’s Super League, der französischen Division 1 Féminine und der spanischen Primera División mithalten zu können.
Medienerlöse: Bundesliga deutlich abgeschlagen
Ein entscheidender Faktor sind die Medienerlöse. Die englische Liga erlöst allein durch TV-Gelder rund 15,5 Millionen Euro pro Saison, die US-Liga sogar etwa 56 Millionen Euro. Im Vergleich dazu spült der aktuelle TV-Rechte-Vertrag der Bundesliga nur 5,17 Millionen Euro in die Kassen. Dies führt zu höheren Gehältern und besseren Rahmenbedingungen im Ausland, was für Spielerinnen attraktiv ist. Für deutsche Nationalspielerinnen wie Senß, Anyomi und Cerci spielt jedoch vor allem die sportliche Weiterentwicklung eine große Rolle. Zwar hat die Bundesliga durch ambitionierte Aufsteiger wie den 1. FC Union Berlin und den Hamburger SV in der Breite zugelegt, doch um sich dauerhaft auf höchstem Level zu beweisen, reichen nicht nur zwei Duelle mit dem FC Bayern München.
DFB-Team profitiert von Auslandswechseln
Die Abgänge sind ein Nachteil für die heimische Liga, aber für das Nationalteam von Vorteil. Mittlerweile spielt mehr als die Hälfte des DFB-Teams im Ausland. Bundestrainer Christian Wück sieht dies „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Für die individuelle Entwicklung seiner Spielerinnen seien diese Stationen „definitiv förderlich“. Er gab jedoch zu bedenken, dass „der Standort Deutschland in der Lage sein sollte, seine besten Spielerinnen in der Liga zu halten.“
Die Realität sieht derzeit anders aus: Die Bundesliga verliert ihre Stars und diejenigen, die auf dem besten Weg dorthin sind. Für die neue Frauen-Bundesliga ist dies ein Warnsignal, das vorhandene Potenzial schnellstmöglich auszuschöpfen. Andernfalls droht die Liga langfristig den Anschluss an die internationale Spitze zu verlieren.



