Morddrohungen nach vergebenem Elfmeter
Kolumbiens Fußballstar Jaminton Campaz (26) fürchtet nach seinem verschossenen Elfmeter im WM-Achtelfinale gegen die Schweiz um sein Leben. Der Spieler des FC Porto und seine Familie erhielten nach dem 3:4 im Elfmeterschießen Morddrohungen. Die Angst ist in Kolumbien nicht unbegründet: Vor 32 Jahren wurde der Nationalspieler Andrés Escobar nach einem Eigentor ermordet.
Die tragische Geschichte von Andrés Escobar
Es war der 22. Juni 1994, als Kolumbien bei der WM in den USA auf den Gastgeber traf. Andrés Escobar, damals 27 Jahre alt, wollte in der 35. Minute eine Flanke klären, lenkte den Ball jedoch ins eigene Tor. Kolumbien verlor 1:2 und schied bereits in der Vorrunde aus. Ein unbeabsichtigter Fehler, der fatale Folgen haben sollte.
Laut seinem Neffen, der während des Spiels anwesend war, sagte dieser zu seiner Mutter: „Mama, sie werden ihn töten.“ Nur zehn Tage später, am 2. Juli 1994, wurde Escobar auf dem Parkplatz einer Diskothek in Medellín von mehreren Männern angesprochen. „Eigentor, Andrés, Eigentor“, riefen sie, bevor sie ihn erschossen. Die Täter hatten durch Wetten auf das Spiel viel Geld verloren.
Historischer Kontext und aktuelle Bedrohung
Kolumbien war damals von Drogenkriegen zerrissen, und die Bevölkerung hatte große Hoffnungen in die Nationalmannschaft gesetzt. Viele Fans hatten ihr Geld auf Siege gesetzt. Die Enttäuschung über das frühe Aus war enorm. Heute, 32 Jahre später, wiederholt sich die Geschichte in abgewandelter Form: Jaminton Campaz vergab im Elfmeterschießen gegen die Schweiz die große Chance zur Führung. Das Spiel endete 3:4, Kolumbien schied aus.
Nach dem Spiel gingen bei Campaz und seiner Familie Morddrohungen ein. Der 26-Jährige nimmt die Drohungen ernst, wie aus seinem Umfeld verlautet. Die kolumbianischen Behörden haben Ermittlungen aufgenommen und den Schutz des Spielers verstärkt.
Reaktionen und Konsequenzen
Der kolumbianische Fußballverband verurteilte die Drohungen aufs Schärfste. „Wir verurteilen jede Form von Gewalt gegen unsere Spieler. Jaminton Campaz hat wie alle anderen sein Bestes gegeben“, hieß es in einer Stellungnahme. Auch Teamkollegen und Fans solidarisierten sich mit Campaz. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die anhaltende Bedrohung von Fußballspielern in Kolumbien, wo Leidenschaft und Wut oft nah beieinanderliegen.



