Der deutsche Fußballtrainer Thomas Rongen hat eine außergewöhnliche Aufgabe übernommen: Er trainiert die Nationalmannschaft von Vanuatu, einem Inselstaat im Südpazifik, und gleichzeitig einen lokalen Verein. In seiner Doppelfunktion will er die Profis des Landes formen und den Fußball auf den abgelegenen Inseln voranbringen.
Eine Herausforderung mit Weitblick
Rongen, der zuvor unter anderem in den USA und in der Major League Soccer arbeitete, sieht seine Mission in Vanuatu als Herzensprojekt. Der Inselstaat mit rund 300.000 Einwohnern liegt östlich von Australien und hat mit begrenzten Ressourcen zu kämpfen. Dennoch ist der Fußball dort populär, und die Nationalmannschaft träumt von einer ersten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft.
In seiner Doppelrolle kümmert sich Rongen sowohl um die Auswahl des Landes als auch um die Entwicklung junger Talente im Verein. Er betont, dass die Infrastruktur und die Trainingsbedingungen weit hinter denen in Europa zurückbleiben, aber der Enthusiasmus der Spieler riesig sei. „Die Spieler haben eine unglaubliche Motivation, auch wenn die Rahmenbedingungen schwierig sind“, sagte Rongen in einem Interview.
Wegweisende Projekte für die Zukunft
Der 63-Jährige hat bereits konkrete Pläne, um den Fußball in Vanuatu nachhaltig zu stärken. Dazu gehören der Aufbau einer Jugendakademie, die Verbesserung der Trainingsplätze und die Schulung einheimischer Trainer. Zudem will er die Zusammenarbeit mit ozeanischen Fußballverbänden intensivieren, um mehr internationale Spiele und Turniererfahrung zu ermöglichen.
Vanuatu hat in der Vergangenheit bei Ozeanien-Meisterschaften gezeigt, dass es mit den größeren Nationen wie Neuseeland mithalten kann, auch wenn die Erfolge bislang ausblieben. Mit Rongen als Coach erhofft sich der Verband einen Schub. Der Deutsche bringt Erfahrung aus der Arbeit mit Nationalteams und Profivereinen mit.
Kulturelle Besonderheiten und Herausforderungen
Die Arbeit in Vanuatu ist auch kulturell eine Herausforderung. Die Gesellschaft ist stark von Traditionen geprägt, und Fußball muss sich gegen andere Sportarten wie Rugby und Cricket behaupten. Rongen zeigt Verständnis für die lokale Lebensweise und integriert traditionelle Elemente in seine Trainingsmethoden. „Es geht nicht darum, europäische Ideen zu kopieren, sondern darum, das Beste aus beiden Welten zu verbinden“, erklärte er.
Ein weiteres Problem ist die geografische Zersplitterung des Landes: Vanuatu besteht aus über 80 Inseln, was Reisen und Logistik erschwert. Für Länderspiele müssen die Spieler oft lange Wege auf sich nehmen. Dennoch sieht Rongen darin auch eine Chance, den Zusammenhalt zu stärken.
Blick nach vorne
Die kommenden Monate werden entscheidend sein: Vanuatu nimmt an Qualifikationsspielen zur Ozeanien-Meisterschaft teil, und Rongen hofft auf erste Erfolge. Er ist überzeugt, dass seine Arbeit langfristig Früchte tragen wird, auch wenn es Geduld braucht. „Wir bauen hier etwas auf, das über meine Zeit hinaus Bestand haben soll“, sagte er.
Die Fußballwelt blickt gespannt auf diesen ungewöhnlichen Fall eines deutschen Trainers, der im Südpazifik neue Wege geht. Mit seiner Doppelfunktion könnte er zum Vorbild für andere Entwicklungsprojekte im Fußball werden.



