DFB und DFL machen Regionalliga-Reform zur Chefsache: Kommt jetzt die Aufstockung der 3. Liga?
DFB und DFL: Regionalliga-Reform wird Chefsache

Die Diskussionen um die Regionalliga-Reform gehen in die nächste Runde. Nachdem BILD einen Geheimplan der fünf Regionalverbände enthüllte, der eine Aufstockung der 3. Liga vorsieht, herrscht bei Fans große Verwirrung. Nun könnte die Reform zur Chefsache von DFB und DFL werden. BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie ernst ist der Drittliga-Plan?

Zunächst ist der Plan eine Strategie der fünf Regionalliga-Träger, um ihre Strukturen und Macht zu erhalten. Ein genaues Konzept oder ein möglicher Umsetzungszeitraum sind nicht bekannt. Einzelne Regionalverbandschefs hatten die Idee, die 3. Liga auf 22 Teams mit fünf Auf- und Absteigern zu erweitern, bereits mehrfach erfolglos vorgeschlagen. Zahlreiche offene Fragen, etwa zur Verteilung der TV-Gelder, sind nicht kurzfristig zu klären.

Welches Modell zur Lösung der Aufstiegsfrage ist Favorit?

Nach 15 Monaten Debatte und einer halbjährigen Arbeitsgruppe hat nur das Kompassmodell als viergleisige Regionalliga alle Schritte des langen Prozesses erfolgreich absolviert. Vereine und Fanszenen bundesweit unterstützen es. Die Kompassvariante passierte die DFB-AG mit großer Rückendeckung des Mediators Dr. Michael Vesper sowie von DFB und DFL mehrheitlich. Bei der anschließenden Klub-Abstimmung erhielt es 50,9 Prozent der Stimmen der Vereine im ganzen Land, während keine andere Option die Hälfte der Stimmen erreichte. Die einzige Auflage der Vereine: Es soll in vier 20er- statt 18er-Staffeln gespielt werden.

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Warum wird das Kompassmodell nicht beschlossen?

Die informelle Absprache der Regionalliga-Träger vom 2. Juni, wonach ein Modell nur umgesetzt wird, wenn es in jeder der fünf Regionen eine Mehrheit bei der Klub-Abstimmung erhält, steht bisher im Weg. Dieses Dringen auf Einstimmigkeit ist im Rahmen der DFB-Strukturen nicht notwendig. Wie bei anderen verbandspolitischen Entscheidungen kann eine demokratische Mehrheit eine Minderheit zu Zugeständnissen verpflichten und sie so zum Kompassmodell zwingen.

Welche Region würde Zugeständnisse machen?

Diese heikle Frage beschäftigt viele Fans. Fakt ist: Die Mehrheit der Vereine im Westen, Norden und Osten stimmten dafür, ihre Regionalliga zugunsten des Kompassmodells aufzulösen. In Bayern war es mit über 45 Prozent knapp. Nur die Klubs im Südwesten zeigen mit 93 Prozent Ablehnung kaum Interesse. Sie und die Regionalliga-Träger blockieren die Reform am heftigsten.

Ist eine politische Mehrheit möglich?

Die Regionalverbandchefs Peter Frymuth (Westen), Ralph-Uwe Schaffert (Norden) und Hermann Winkler (Nordosten) hatten in Informationsveranstaltungen ihren Vereinen gegenüber angekündigt, sich für die von ihnen präferierte Lösung einzusetzen. In diesen drei Regionen gewann das Kompassmodell die Mehrheit. Zusammen mit der DFL sind das vier von sechs stimmberechtigten Parteien im DFB-Vorstand oder auf einem DFB-Bundestag. Einen Antrag zur Einführung kann jeder einzelne Regional- oder Landesverband und sogar die DFL einreichen. Halten sich die Verbandsbosse an ihre Versprechungen, wäre eine politische Mehrheit machbar.

Machen DFB und DFL das Thema zur Chefsache?

Während die Regionalverbände nach dem Klub-Referendum umgehend erklärten, dass eine Umsetzung des Kompassmodells zur Saison 2028/29 kaum mehr infrage komme, äußerte sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf gänzlich anders. Der DFB-Boss sagte: „Vor diesem Hintergrund wird sich der DFB nunmehr aktiv in diesen Prozess einbringen.“ Neuendorf sieht das Anliegen sogar auf der „Tagesordnung“. Dass der Dachverband von einer aktiven Rolle spricht, ist neu. In der Vergangenheit hatte der DFB sich auf die Vermittlerfunktion beschränkt. Zahlreiche Vereine fordern DFB und DFL auf, das Thema mit Führungsstärke zu lösen. West-Regionalligist Sportfreunde Siegen schreibt: „Unserer Ansicht nach sollte der DFB diesen Prozess an sich ziehen und federführend begleiten. Nur so kann endlich im Sinne der Vereine und Fans gehandelt werden – mit dem Blick über Verbandsgrenzen hinaus und dem gemeinsamen Ziel, ein faires und zukunftsfähiges Aufstiegssystem zu schaffen.“

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