Mit nur einem Arm zur Bundesliga: Niklas Schäck will es schaffen
Einarmiger Fußballer Niklas Schäck: Bundesliga!

Es gibt Momente, da reicht ein einziger Blick auf Niklas Schäcks linke Seite, um zu verstehen, dass dieser junge Mann Außergewöhnliches leistet. Der 18-Jährige wurde ohne linken Unterarm geboren – und spielt dennoch Fußball in der DFB-Nachwuchsliga. Beim Halleschen FC ist der Linksaußen fester Bestandteil der U19. Sein Traum ist klar: „Ich habe nur einen Arm und will in die Bundesliga!“

Auf dem Bolzplatz am Elefanten-Spielplatz im Pestalozzi-Park in Halle/Saale demonstriert er sein Können. Einwürfe nimmt er sich selbst. „Weit werfen kann ich nicht, aber ganz gut zielen“, sagt Schäck. Dazu klemmt er den Ball zwischen rechter Hand und dem Stumpf des linken Arms – eine Technik, die er sich selbst beigebracht hat.

Vom Frankenland zurück in die Heimat

Geboren wird Niklas Schäck in Nürnberg. Doch als der Großvater schwer erkrankt, kehrt die Familie nach Halle/Saale zurück – in die Stadt, in der sein Vater einst für den VfL Halle 96 in der drittklassigen Regionalliga spielte. „Ich bin hier groß geworden“, erzählt Schäck. Der Fußball war von klein an präsent.

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Schon als Kind jagte er dem Ball hinterher – mit Torwarthandschuhen, wie Fotos zeigen. Doch der Weg in den Leistungsfußball war nicht selbstverständlich. „Anfangs wurde ich eher unterschätzt“, erinnert er sich. „Aber dann haben sie gesehen, dass ich am Ball was kann, und dann nahmen sie mich an wie jeden anderen auch.“

Die Bundesliga als klares Ziel

Beim Halleschen FC durchlief er die Jugendmannschaften. In der vergangenen Saison stand er mit der U19 in der DFB-Nachwuchsliga auf dem fünften Platz seiner Staffel. In 24 Spielen kam der 18-Jährige zum Einsatz, oft als Einwechsler. Nächste Saison möchte er durchstarten. Sein großes Vorbild auf dem Platz: David Raum. „David Raum finde ich gut, aber zuletzt wurde ich öfter als Stürmer eingewechselt“, verrät Schäck. Sein Lieblingsspieler ist Lionel Messi.

Sein Ziel ist es, irgendwann im HFC-Stadion vor heimischem Publikum für die Profis aufzulaufen. „Im HFC-Stadion für die Profis spielen“, sagt er. Die Profis des Halleschen FC spielen derzeit in der 4. Liga. Sein Lieblingsverein in der Bundesliga ist Borussia Dortmund.

Social Media als Inspirationsquelle

Neben dem Fußball ist Social Media Schäcks größtes Hobby. Auf Instagram folgen ihm gut 13.000 Menschen, auf TikTok mehr als doppelt so viele. „Ich will die Leute zu Spielen mitnehmen und mein Leben zeigen“, erklärt er. „Ich lernte so viele mit einem Arm kennen, die mich als Inspiration sehen. Ich bin gefühlt der Einzige, der mit einem Arm so hochklassig spielt. Ich will den Leuten zeigen, dass man es auch mit Einschränkungen schaffen kann.“

Seine Videos zeigen nicht nur Tore und Tricks, sondern auch den Alltag mit Handicap. Damit ist er zu einem Vorbild für viele Menschen geworden – auch für diejenigen ohne Behinderung.

Training ohne Extrawurst

Vergünstigungen bekommt Schäck im Training nicht. „Ich muss sonst immer voll mitmachen und werde im Training nicht anders behandelt“, sagt er. Nur bei Übungen, die zwei Arme erfordern, muss er sich etwas einfallen lassen. Klimmzüge etwa seien eine Herausforderung. „Aber ich habe meine Technik gefunden“, so der 18-Jährige.

Auch im Alltag nutzt er selten seine Prothese. „Ich kann eigentlich alles so“, sagt er. Sogar den Führerschein hat er gemacht. „Ich kann mit einem Knauf lenken, an dem Tasten für die Blinker und Ähnliches sind. Da brauche ich keinen zweiten Arm am Lenkrad.“ Nur beim Schnürsenkelbinden brauche er einen Trick.

Beleidigung auf dem Platz

Einmal allerdings sei er von einem Gegenspieler böse provoziert worden. „Er sagte zu mir: ‚Ich schneide dir noch den zweiten Arm ab!‘“, erinnert sich Schäck. „Im ersten Moment war ich echt traurig, habe auch nach dem Spiel geweint. Aber ich sagte mir schnell: Ich bin schon im Nachwuchsleistungszentrum, warum soll ich mich beleidigen lassen?“

Dieses Erlebnis habe ihn stärker gemacht. Heute kann er damit umgehen: „Ich will da drüberstehen. Ärgert mich jemand, gehe ich in der nächsten Situation schon mal härter in den Zweikampf. Aber meist zollen mir die Spieler Respekt für das, was ich leiste.“

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Mentalität wie Kimmich – mit eigenen Schwächen

Sein Trainer attestiert ihm eine besondere Mentalität. „Mein Coach sagt, von der Mentalität her bin ich wie Joshua Kimmich“, sagt Schäck stolz. Seine Stärken liegen in der Schnelligkeit und im kämpferischen Einsatz. Doch er kennt auch seine Grenzen: „Ich bin schnell, aber mit zwei Armen wäre ich noch schneller. Ich kann halt nicht so Schwung holen.“ Im Zweikampf nutzt er seinen Ellenbogen. „Muss ich mit dem Ellenbogen arbeiten, der noch da ist.“

Bei Ecken und Freistößen hat er einen Vorteil: „Dabei muss ich mich nicht wehren, denn die Standards trete ich selbst“, sagt er und lacht.

Lehre und Zukunftsplanung

Neben dem Fußball absolviert Schäck eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. „Das war meinen Eltern sehr wichtig“, gesteht er. „Es gibt Hunderte Spieler in der Nachwuchsliga, die in die Bundesliga wollen. Wie viele schaffen das aber?“ Deshalb plant er doppelt.

Auch sportlich hat er mehrere Standbeine. So spielt er leidenschaftlich gern Darts und hat bereits an einem Turnier teilgenommen. Sein großes Vorbild ist Extremsportler Arda Saatci (28), der sich über einen 600-Kilometer-Lauf einen Namen gemacht hat. „Der hat mich mit seinem Lauf über 600 km sehr motiviert“, so Schäck.

Musikalisch steht er auf Deutschrap, aber auch Michael Jackson († 50) gehört zu seinen Favoriten. „Der läuft auch in der Kabine manchmal“, erzählt er.

Ein Vorbild für viele

Niklas Schäck will zeigen, dass eine körperliche Einschränkung nicht das Ende aller Träume bedeutet. Mit 18 Jahren hat er bereits mehr erreicht als manch anderer. Sein Weg ist noch nicht zu Ende – und die Bundesliga bleibt das große Ziel.