Island nimmt 21 Anti-Walfang-Aktivisten fest und beschlagnahmt Schiff
Island: 21 Anti-Walfang-Aktivisten festgenommen

Am Donnerstagabend gegen Mitternacht haben Einsatzkräfte der isländischen Küstenwache und der Polizei-Spezialeinheit „Viking Squad“ das Anti-Walfang-Schiff „Bandero“ geentert. Die 21 Besatzungsmitglieder wurden festgenommen, das Schiff beschlagnahmt. Das teilten die Behörden des arktischen Inselstaats am Samstag mit. Wer hinter dem Protestboot steckt, ist kein Geheimnis: Die „Bandero“ gehört zur Captain Paul Watson Foundation, der Organisation des früheren Sea-Shepherd-Chefs Paul Watson.

Hilferuf vom Walfangschiff „Hvalur 9“

Nach Angaben der isländischen Küstenwache hatte die Besatzung des Walfangschiffs „Hvalur 9“ am Donnerstagabend um Hilfe gebeten, weil sie ihre Sicherheit durch das Protestschiff bedroht sah. Die „Bandero“ habe die Anweisung, die isländischen Gewässer zu verlassen, ignoriert und auch sonstigen Anweisungen nicht Folge geleistet. Daraufhin gingen die Küstenwache und das sogenannte „Viking Squad“ – eine Spezialeinheit der Polizei – an Bord des Schiffs. Die Festnahme erfolgte gegen Mitternacht, wie die Behörden mitteilten. Paul Watson selbst war nach Informationen der Stiftung nicht an Bord.

Stiftung bestätigt Beschlagnahmung

Die Captain Paul Watson Foundation bestätigte in einer Erklärung, dass das Schiff beschlagnahmt worden sei. Die 21 Besatzungsmitglieder würden ohne ihre Telefone an Bord des Schiffs festgehalten, hieß es. Das Schiff erreichte am Freitag die isländische Hauptstadt Reykjavík. Die Polizei habe die Ermittlungen übernommen, teilte die Küstenwache mit. Der isländische Rundfunksender RUV berichtete übereinstimmend, dass die Polizei die Abschiebung der Besatzung anstrebe und ihr die Wiedereinreise nach Island untersagen wolle.

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Abschiebung und Einreiseverbot geplant

Konkrete Details zu den geplanten Maßnahmen nannten die Behörden zunächst nicht. RUV berief sich dabei auf interne Polizeikreise. Die Aktivisten sollen nach dem Willen der Ermittlungsbehörden Island umgehend verlassen und künftig nicht mehr einreisen dürfen. Ob es zu Strafverfahren kommt, blieb offen. Die Stiftung bestätigte, dass die Crew ohne ihre Telefone festgehalten werde und das Schiff in Reykjavík eingetroffen sei. Eine offizielle Stellungnahme zu den Abschiebeplänen gab es zunächst nicht.

Paul Watson: Zwischen Aktivismus und Haft

Der in Kanada geborene Watson, 75 Jahre alt, ist eine Symbolfigur des Anti-Walfang-Kampfs. Er leitete jahrelang die „Sea Shepherd Conservation Society“, deren spektakuläre Aktionen in der Reality-TV-Serie „Whale Wars“ einem breiten Publikum bekannt wurden. Watsons radikale Methoden brachten ihn immer wieder in Konflikt mit Behörden und führten zu mehreren Haftstrafen. 2022 trennte er sich von Sea Shepherd und gründete mit der Captain Paul Watson Foundation eine eigene Organisation. Diese ist auch für die „Bandero“ verantwortlich.

Haft in Grönland und Interpol-Red-Notice

Erst 2024 saß Watson fünf Monate in Grönland in Haft. Hintergrund war ein japanischer Haftbefehl wegen des Vorwurfs, 2010 ein Walfangschiff behindert zu haben. Nach seiner Freilassung im Dezember 2024 kündigte Watson an, er werde darauf achten, nicht erneut gefasst zu werden. „Ich muss sicherstellen, dass ich nicht in Island oder einem anderen Land lande, in dem Interpol versuchen könnte, mich erneut verhaften zu lassen“, sagte er damals. Schon 2012 hatte Interpol eine sogenannte „Red Notice“ zur internationalen Fahndung nach Watson herausgegeben. 2025 wurde er von der Fahndungsliste gestrichen.

Kontroverse Taktiken spalten die Bewegung

Watsons kompromissloses Vorgehen hat die Umweltschutzbewegung gespalten. Während Unterstützer ihn als Helden der Meere feiern, werfen ihm Reedereien und Walfangunternehmen vor, Schiffe und Menschenleben zu riskieren. Auch Islands Regierung zeigt wenig Sympathie für direkte Aktionen von Tierschützern. Der jüngste Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund, dass Island nach einer dreijährigen Pause wieder Walfang erlaubt. Die 21 festgenommenen Aktivisten sitzen nach Angaben der Stiftung weiterhin auf dem beschlagnahmten Schiff. Wie es für sie weitergeht, ist offen – Festnahmen und Abschiebungen könnten signalisieren, dass Island künftig härter gegen Umweltproteste vorgehen will.

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