Englands Trainer Thomas Tuchel ist vor dem Spiel um Platz drei bei der Fußball-WM von den eigenen Fans ausgebuht worden. Als beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung am Ende der Schwabe auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, waren im Miami-Stadion viele Buhrufe zu hören. Während des Spiels dürfte sich die Stimmung zunächst gedreht haben: England führte gegen Frankreich durch Tore von Declan Rice (3. Minute), Ezri Konsa (18.) und doppelt Bukayo Saka (37.; 45.+1) früh mit 4:0.
Tuchel nach Halbfinal-Aus unter Druck
Tuchel steht nach dem Aus gegen Argentinien in der Kritik. England war dort in der 55. Minute in Führung gegangen, hatte danach aber enorm passiv agiert. Argentinien drehte das Spiel mit zwei späten Toren und trifft im Finale auf Spanien. Auch US-Präsident Donald Trump hatte sich im Nachgang zur Niederlage kritisch geäußert und sich über die Rolle von Stürmer Harry Kane gewundert. „Sie haben geführt und dann ihren besten Spieler in die Defensive gestellt“, so der 80-Jährige.
„Wir haben im tiefen Block verteidigt. So macht man das“, erklärte Tuchel die taktische Rolle von Kapitän Kane vor dem Spiel gegen Frankreich. „Das hat er auch schon in der ersten Halbzeit gemacht. Der Unterschied ist, dass er danach rausgestoßen ist und wir die Lücken gefunden haben.“ Der 52-Jährige, der in England einen Vertrag bis nach der EM 2028 im Vereinigten Königreich und Irland besitzt, betonte erneut, dass er als Trainer weitermachen wolle.
Kritik in britischen Medien
In britischen Medien ist der Ton mitunter scharf. Das „Versagen im WM-Halbfinale“ wirke in Bezug auf Tuchel „wie das ultimative Warnsignal“, heißt es in einem Kommentar des „Guardian“. „Hinzu kommen die Engstirnigkeit, der Mangel an Ehrgeiz und die Dreistigkeit, das gesamte englische Spiel zu verunglimpfen, anstatt die eigene Feigheit einzugestehen.“
Tuchel hatte nach der Halbfinal-Niederlage davon gesprochen, dass Ballbesitz nicht so sehr in der englischen Fußball-DNA verankert sei wie in der spanischen, argentinischen oder brasilianischen. „Tuchel wurde engagiert, um das beträchtliche Potenzial einer herausragenden Generation englischer Fußballtalente zu entfesseln“, heißt es nun im „Guardian“. „Nach dem, was wir bisher gesehen haben, ist nicht klar, ob er dieses Potenzial überhaupt erkennt.“



