Der Wembley-Fluch schlägt wieder zu und reißt England in ein tiefes Tal der Trauer. Im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Atlanta standen die Three Lions bereits mit einem Bein im ersten Endspiel seit 60 Jahren, doch dann folgte der kolossale Einbruch. Nach einer 1:0-Führung bis zur 85. Minute drehte Argentinien die Partie und siegte mit 2:1 (0:0). Harry Kane blieb nach dem Schlusspfiff allein am Mittelkreis zurück, die Hände in die Seiten gestemmt, minutenlang regungslos. Auf den Rängen flossen Tränen.
Kane: „Am Boden zerstört“
„Ich bin einfach nur am Boden zerstört – für die Jungs, für alle, den Stab, die Fans“, sagte Kane bei der BBC. „Wir haben so hart dafür gearbeitet, hier zu sein, die Jungs haben alles gegeben, bis zum letzten Tropfen Schweiß. So zu scheitern, wie wir es heute getan haben, ist niederschmetternd.“ Seine Mannschaft habe „über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht“, aber nach der Führung „haben wir versucht, das Ergebnis zu halten, was auf diesem Niveau aber nicht ausreicht.“ Die englische Presse titelte: „Untröstlich“ (Sun) und „gebrochene Herzen“ (Guardian).
Wildes Halbfinale mit vielen Fouls
Die erste Halbzeit bot ein schauriges Bild: kein Fußball, keine Torschüsse, stattdessen 12 Fouls von Argentinien und 7 von England. Es war das erste WM-Spiel seit 1966, in dem es in der ersten halben Stunde keinen einzigen Torschuss gab. Lionel Messi kam kaum zur Entfaltung, Kane und Jude Bellingham waren abgemeldet. Trainer Thomas Tuchel hatte Morgan Rogers neu in die Startelf gebracht.
Gordon-Tor lässt England träumen
Nach der Pause zeigte England plötzlich Fußball. In der 55. Minute eroberte Rogers einen langen Ball auf der rechten Seite, schlug eine präzise Flanke, und Anthony Gordon vollendete technisch fein am hinteren Fünfmeterraum zum 1:0. Es war Gordons erstes WM-Tor. Der Jubel vor der englischen Kurve war frenetisch, bei einigen argentinischen Fans flossen Tränen.
England bricht ein – Argentinien stürmt
Doch nach der Führung zog sich England immer weiter zurück. Zwischen dem Tor und dem Ausgleich hatte England nur zwölf Prozent Ballbesitz. Djed Spence rettete mit einer Heldengrätsche gegen Giuliano Simeone (58.), aber dann begann das argentinische Sturmlauf. Pickford parierte einen Kopfball von Nicolas Gonzalez (69.), Alexis Mac Allister traf den Pfosten (76.), Gonzalez setzte einen weiteren Kopfball knapp neben das Tor (78.). England verteidigte im tiefen 5-4-1, die Kräfte schwanden.
Fernandez und Martinez schocken England spät
In der 85. Minute lenkte Pickford einen Distanzschuss von Enzo Fernandez über die Latte. Die kurz ausgeführte Ecke von Messi landete erneut bei Fernandez, der aus 20 Metern abzog. Bellinghams Klärungsversuch kam eine Millisekunde zu spät – der Ball schlug im linken Winkel ein. Das Stadion explodierte. Doch Argentinien hatte noch einen Trumpf: Messi flankte von rechts, Lautaro Martinez stand völlig frei im Strafraum und köpfte in der 92. Minute zum 2:1-Siegtreffer ein. Es war eine unglaubliche Leistung des 39-jährigen Messi, der damit sein Team ins Finale gegen Spanien führte.
Der Fluch von Wembley lebt weiter
Harry Kane blieb nach dem Schlusspfiff allein am Mittelkreis stehen, raufte sich die Haare. Jude Bellingham tröstete Mitspieler und bedankte sich fair beim Schiedsrichter. Messi suchte Kane für eine Umarmung auf. Für die Three Lions ist der Traum vom zweiten WM-Titel nach 1966 geplatzt – der Fluch von Wembley hat auch in Atlanta zugeschlagen. Trainer Thomas Tuchel muss sich nun vielen Fragen stellen.



