Der ehemalige Hertha-Profi Ronny (40) hat in einem Interview mit dem Fußballmagazin „11Freunde“ über seine Zeit beim Hauptstadtklub gesprochen. Der Brasilianer, der von 2010 bis 2016 für Hertha BSC spielte, erzielte in 123 Spielen 28 Tore und bereitete 28 weitere vor. Besonders in Erinnerung geblieben sind seine beiden Treffer in den Stadtderbys gegen Union Berlin.
Derby-Tore und der Abstieg 2012
„Beide Tore waren etwas Unglaubliches, denn in einem Derby zu treffen, bleibt für immer in Erinnerung“, sagte Ronny. „Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre das Freistoßtor im Olympiastadion zum späten 2:2-Ausgleich vielleicht noch einen Tick emotionaler. Bei mir zu Hause hängt heute noch ein gerahmtes Bild von diesem Tor.“
Weniger schöne Erinnerungen hat er an den Hertha-Abstieg 2012 nach dem Relegations-Chaos in Düsseldorf. „Das ist ein Tag, den ich niemals vergessen werde. So eine Szene, wie sie sich nach dem Platzsturm auf dem Spielfeld abspielte, hatte ich in meinem ganzen Leben zuvor noch nie erlebt. Es war ein sehr trauriger Moment für uns alle, besonders weil meine Familie und meine Kinder im Stadion waren und alles mitansehen mussten.“
Gewichtsprobleme und Feierbiester
Der Ex-Spielmacher sprach auch offen über seine Gewichtsprobleme. „Ich hatte eigentlich schon immer ein bisschen mit meinem Gewicht zu kämpfen, besonders wenn ich aus dem Urlaub zurückkam. Der Grund war schlichtweg die Ernährung in Brasilien. Wir essen dort oft zu unregelmäßigen Zeiten, und das Essen ist viel ungesünder als in Deutschland. Es gab viel Grillfleisch, Sandwiches und auch mal McDonald’s außerhalb der üblichen Essenszeiten – da kommen die Pfunde schnell zustande.“
Auf die Frage nach Herthas größten Feierbiestern antwortete er: „Ich würde sagen, das waren Salomon Kalou und Adrian Ramos. Wir haben es einfach genossen, gemeinsam auszugehen und zu feiern.“
Deutschkenntnisse und Freistoß-Weltrekord
„Ein bisschen Deutsch kann ich noch. Ein ‚Ha Ho He‘ oder ‚Scheiß Union‘ verlernt man nie. Ich bin immer noch in einer WhatsApp-Gruppe mit ein paar Hertha-Fans, wo ich ab und zu etwas auf Deutsch schreibe und die Posts kommentiere“, verriet Ronny.
Seinen Freistoß-Weltrekord mit 210,9 km/h kommentierte er so: „Ich glaube, jeder Torwart, der da die Hände hingehalten hat, dachte sich: ‚Das wird gleich wehtun.‘ Ich glaube, Gott hat mir dieses Talent geschenkt. Aber ich habe auch immer sehr viel dafür trainiert. Ich habe nie aufgehört, an meinem Schuss zu arbeiten und dieses Geschenk zu perfektionieren.“
Geldstrafe und Comeback
Über eine Geldstrafe von 44.000 Euro im Jahr 2013 sagte Ronny: „Das war nach einem Spiel gegen Regensburg, in dem ich zwei Tore erzielt hatte. Unser Manager Michael Preetz erlaubte mir, Party zu machen, um den Sieg zu feiern. Auf dem Nachhauseweg wurde ich von der Polizei angehalten und sollte einen Alkoholtest machen, den ich jedoch ablehnte. Daraufhin nahmen sie mich mit auf die Wache und ich verlor in der Folge für ein Jahr meinen Führerschein. Michael Preetz hatte mir eigentlich vorher noch geraten, ein Taxi zu nehmen, aber ich habe damals nicht auf ihn gehört.“
Zu seinem Comeback 2021 beim Berliner Sechsligisten Novi Pazar meinte er: „Das war an sich eine coole Erfahrung und ich wäre gerne länger geblieben. Aber dann kam der Lockdown wegen Covid, und ich wollte unter diesen Umständen nicht dort festsitzen.“
Ronny lebt heute mit seiner Familie in Brasilien in Fortaleza.



