Für diesen Abend war die Welt von Fußball-Lehrer Heiko Weber (60) fast in Ordnung. Seine alten Weggefährten vom FC Carl Zeiss Jena und der FC Thüringen Weida, wo Weber 2003 seine Karriere beendete, organisierten ein Benefizspiel gegen die Traditionself der Weidaer. Ziel war es, Spenden für die Behandlung der an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankten Ost-Legende zu sammeln. 2000 Euro kamen zusammen. Knapp 800 Zuschauer fanden am Freitagabend den Weg ins Kultstadion „Roter Hügel“. Dort erlebten sie Vize-Weltmeister Bernd Schneider (52) und weitere Ex-Profis noch einmal zaubern.
Emotionale Ansprache in der Kabine
Frühere Mitspieler wie Mark Zimmermann (52), Olaf Holetschek (57) und Stefan Treitl (53) waren mit von der Partie. Kevin Schlitte (44) reiste extra an, obwohl er verletzt war. Die Aufstiegshelden der Jahre 2004 bis 2006, als Weber als Trainer den FCC von der Oberliga in die Zweite Liga führte, bildeten das Gerüst dieser besonderen Jenaer Mannschaft. Kais Manai (53), Alexander Maul (49) oder Torsten Ziegner (48) machten deutlich, was wirklich wichtig ist: Vor dem Anpfiff baten seine früheren Schützlinge ihren alten Boss und seinen einstigen Co-Trainer Marco Kämpfe (54) in die Kabine. Weber, der einst kurzzeitig Energie Cottbus in der Bundesliga trainierte, hielt eine emotionale Ansprache und hatte Tränen in den Augen, wie er hinterher sagte. „Auf der Fahrt hierher hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Aber jetzt hier alle wiederzusehen, zu merken, wer alles gekommen ist, gibt unglaublich viel Kraft“, sagt Weber, der gerade eine Chemotherapiebehandlung hinter sich hat.
Bernd Schneider zeigt sich solidarisch
Auch Bernd Schneider (52) nahm seinen früheren Mitspieler mehrfach in den Arm. „Er war als Spieler schon so positiv. Das ist seine Grundeinstellung. Und die hilft ihm gerade beim Kampf gegen den Krebs, bei dem hier jeder unterstützt“, sagt Schneider. Nach dem Spiel saßen drei Generationen Jena-Spieler beim Bier rund um die Ersatzbank und erzählten Anekdoten aus erfolgreichen Tagen.
Historische Trikot-Aktion rührt Weber
Doch nicht nur die Akteure auf dem Rasen zauberten Weber ein Lächeln ins Gesicht. FCC-Fan Volker Nimke (67) aus Jena rührte Weber mit einer besonderen Aktion – er trug extra genau das Trikot, mit dem Weber 1991 in Cottbus das letzte Tor der DDR-Oberliga geschossen hat. Dieser 2:0-Treffer brachte Jena zum ersten Mal in die Zweite Liga. „Nach dem Spiel war die Freude groß und Benno warf es mir über den Zaun zu“, erinnert sich Nimke. Weber inspizierte das Trikot und bestätigte: „Das ist es. Mensch, ist das lange her ...“
Hoffnung auf Wirkung der Chemotherapie
Doch sein Blick ist nach vorn gerichtet. Er verrät: „Ich verbringe viel Zeit mit meinen Kindern, mit den Enkeln.“ Die Behandlung ist natürlich noch nicht abgeschlossen. „Ich habe bald eine neue Untersuchung. Da wird sich zeigen, ob die Chemo anschlägt, wie der Krebs sich entwickelt“, sagt Weber. Dann schaut er noch einmal in die Runde und flüstert: „Gerade geht's mir gut!“



