Fifa-Präsident Gianni Infantino treibt seine umstrittenen Pläne zum Verkauf von Anteilen an den kommerziellen Rechten der Fußball-Weltmeisterschaft weiter voran. Medienberichten zufolge hat der 56-Jährige den 211 Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September gesetzt, um dem Vorhaben zuzustimmen. Ein fünfseitiger Brief, aus dem mehrere Medien zitieren, legt dar, dass eine einfache Mehrheit zur Umsetzung ausreicht. Im Gegenzug verspricht Infantino eine Sonderzahlung: ein Paket im Wert von zehn Milliarden US-Dollar, das ab dem 1. Januar 2027 zur Verfügung stehen soll. Pro Verband wären das jährlich 40 Millionen US-Dollar – viermal so viel wie bisher.
Infantinos Drohkulisse: Zustimmung oder weniger Geld
In dem Schreiben heißt es wörtlich: „Sollten Sie diesen Fortschritt wünschen, steht Ihnen dieses 10-Milliarden-Dollar-Paket ab dem 1. Januar 2027 zur Verfügung und leitet die nächste Phase unserer gemeinsamen Reise ein.“ Gleichzeitig stellt Infantino eine Alternative in Aussicht: „Sollten Sie den Status quo beibehalten und diesen Vorschlag ablehnen wollen, steht Ihnen weiterhin unsere geplante Erweiterung des Forward-Programms um 2,7 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, wie bereits vorgestellt.“ Kritiker sehen darin eine Erpressungstaktik.
UEFA schlägt zurück: „Fifa bereichert sich selbst“
Die Europäische Fußball-Union (UEFA) reagierte bereits am Dienstag mit scharfer Kritik und legte nun mit einem weiteren Statement nach. „Wir haben heute erfahren, dass die Fifa den Verbänden eine Frist gesetzt hat, innerhalb derer sie ihre Vorschläge unterstützen müssen, andernfalls wird das Angebot einer einmaligen Auszahlung zurückgezogen. Das sagt bereits alles, was man über diesen Plan wissen muss“, teilte die UEFA mit. Weiter heißt es: „Nach Gesprächen mit zahlreichen Akteuren aus dem gesamten Fußball weiß die UEFA jedoch, dass es erheblichen und wachsenden Widerstand gegen das Vorhaben der Fifa gibt. Die Fifa darf unseren Sport nicht weiterhin dazu nutzen, sich selbst und ihre Freunde zu bereichern. Wir können den Sport auf die richtige Weise weiterentwickeln. Es ist an der Zeit, Verbänden, Vereinen, Ligen, Spielern und Fans Vorrang einzuräumen.“
Dringlichkeitssitzung und Reaktionen aus Asien und Amerika
Laut ESPN will die UEFA noch in dieser Woche eine Dringlichkeitssitzung ihrer 55 Mitgliedsverbände einberufen, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. Asiatische und nord- und mittelamerikanische Verbände zeigten sich am Mittwoch zwar inhaltlich offen für Infantinos Pläne, beschwerten sich jedoch darüber, nicht vorab informiert worden zu sein. Die Kontroversen um die Finanzierung der WM reißen nicht ab. Infantino selbst war zuletzt mehrfach um die Welt gereist, um für sein Projekt zu werben – unter anderem drei Mal innerhalb weniger Wochen, wie die Bild berichtete.



